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“Als Achtjähriger sah ich SINDBADS SIEBENTE REISE – und ich war hin und weg. Ich fragte meine Mama, wer solche Filme macht – und sie antwortete, dies sei der Regisseur. Von da an wollte ich Regisseur werden.” (John Landis)
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Zombies
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ZOMBIES

USA 2006 / O: „Wicked Little Things“ / Prod.: Millenium Films

                                                           

                                                            

Regie: J. S. Cardone / Musik: Tim Jones / Kamera: Emil Topuzov / Schnitt: Alain Jakubowicz / Ausf. Prod.: Boaz Davidson, Danny Dimbort, Ewerhard Ed Engels, Jack S. Gilardi Jr., Avi Lerner, Trevor Short, John Thompson / Prod.: J. S. Cardone, Boaz Davidson, Anton Höger, Danny Lerner, David Varod / Buch: Ben Nedivi / Story: Boaz Davidson 

                                                                                                                         

 

Darsteller: Lori Heuring (Karen Tunny), Ben Cross (Aaron Hanks), Geoffrey Lewis (Harold), Scout Taylor-Compton (Sarah Tunny), Chloe Moretz (Emma Tunny), Craig Vye (Tim), Chris Jamba (Sean), Julie Rogers (Lisa), Martin McDougall (Mr. Carlton), Michael McCoy (Walter) sowie Velizar Binev, Helia Grekova, George Zlatarev, Atanas Srebrev, Vladimir Mihailov u.a.

 

„Ihr wohnt bei den verkackten Zombies?“

„Was für Zombies?“

 

Ja, das hatte ich mich auch gefragt, aber mit den Zombies ist das so ’ne Sache: Manchmal tauchen sie im Titel auf, wo man sie im Film vermisst. Seltsamerweise wählte man hierzulande den ursprünglichen Arbeitstitel aus, wobei man an dieser Stelle noch anmerken sollte, daß Tobe Hooper den Film ursprünglich inszenieren sollte. Doch dazu ist es aus irgend welchen Gründen nicht gekommen, denn das Konzept wurde überarbeitet und Hooper gegen B-Movie-Routinier J. S. Cardone ausgetauscht. Interessant dabei ist, daß der nun fertige ZOMBIES von der Storyline im Großen und Ganzen an Tobe Hoopers wenig überzeugenden MORTUARY (2005) erinnert, denn hier wie dort geht es um eine alleinerziehende Mutter, die mit ihren zwei Kindern in ein leerstehendes, halb verfallenes Haus zieht, das von den Geistern der Vergangenheit geplagt wird. Ebenso wie die neuen Hauseigentümer. Die Titel gebenden Zombies, so wie man sie sich eben vorstellt, wird man im Film vermissen, denn hier sind es die untoten Seelen etlicher Kinder, die vor 100 Jahren in der Mine des reichen Mr. Carlton schufteten und bei lebendigem Leibe dort begraben wurden. Neben doofen Plagegeistern gibt’s auch untote Grubengeister, die für blutige Unruhe sorgen. Also keine Zombies, dafür Zombie-Kids. Ist doch auch mal was. Und wie das mit den Kids eben manchmal so ist: untot sind sie allemal noch erträglicher als (noch) lebend. Zumindest in Filmen wie diesen. Im Mittelpunkt des Geschehens steht die tapfere Mami Karen Tunny (Lori Heuring), die nach dem Tod ihres Mannes mit ihren zwei Töchtern Sarah (Nervensäge: Scout Taylor-Compton) und Emma (Chloe Moretz aus dem AMITYVILLE HORROR-Remake) eine verlassene Bruchbude mitten im Wald als ihr neues Zu Hause auserkoren hat. Die übliche Pinnwand mit den Vermisstenanzeigen im wenig einladenden Laden eines geladenen Ladenbesitzers ist schon mal eine herzliche Einladung. Mit Schweineblut an der Tür und einer geselligen Ratte auf dem Küchentisch wird die kleine Familie Tunny  entsprechend empfangen. Die ersten Leichen gesellen sich bald dazu und so fühlt man sich schnell daheim. Zu Hause ist da, wo man sich außer Haus fühlt.

 

Ob der Genre-Freund sich auch hier zu Hause fühlt? Wenn man sich mehr an den Originaltitel orientiert, wird man ganz angenehm unterhalten, zumal die üblichen Horrorklischees, entsprechend zubereitet, durchaus Freude machen können. Mit dem Prolog in der Grubenmine findet Cardone einen auch visuell angenehm gestalteten Einstieg, von dem man gerne noch mehr gesehen hätte. Danach trödelt er in dem Bemühen, seinen Charakteren ein wenig Tiefe zu geben, was schon mal lobenswert ist, ein wenig vor sich hin. Doch entsprechen sie und ihr Verhalten eben dem, was man aus vielen anderen Filmen dieser Art zur Genüge kennt: die robuste Mama Karen wütet sich auf den Spuren der schrecklichen Vergangenheit durch alte Fotos und Zeitungsartikel, Sarah, ihr ältere, pubertierende Tochter, wirkt wie die maulende Mirte aus den Harry-Potter-Filmen (nur eben weniger liebenswert), während Emma schnell eine für alle anderen (zunächst) unsichtbare Spielkameradin gefunden hat. Noch schlimmer sind Sarah’s neue Freunde: saufend, grölend und kiffend dienen sie einzig und allein als Teenie-Horror-Kanonenfutter und werden während einer mitternächtlichen Spritztour von den mit Spitzhacke und Schaufel bestens ausgerüsteten Zombie-Kids genregerecht zu- bzw. hingerichtet. Obwohl das Auto kurz zuvor überhaupt nicht anspringen wollte (natürlich immer im entscheidenden Moment), kann Sarah kreischend und unter Schock stehend doch noch entkommen. So ein Mist! 

 

Was man von Cardone’s Film jedoch nicht behaupten kann. Gewiss, er hat seine Schwächen, was hauptsächlich an dem Drehbuch, das alle möglichen Klischees zusammen gekramt hat, liegt, aber kann Cardone diese wieder wettmachen, in dem er den Drehort Bulgarien, im Gegensatz zu anderen B-Movies, die Profitgeier wie Boaz Davidson schnell und billig in Osteuropa herstellen ließen, atmosphärisch wirkungsvoll einsetzt.

 

Ohne diese elenden Taschenlampen und Autos, die immer im alles Leben entscheidenden Augenblick den Dienst versagen, geht es hier zwar auch nicht, doch im direkten Vergleich mit dem oben erwähnten MORTUARY schneidet ZOMBIES eindeutig besser ab, obwohl beide Filme im Prinzip von der gleichen Ausgangsidee zerren, aber unterschiedlich davon Gebrauch machen. Auf alle Fälle sind die Kinder-Zombies hier weitaus überzeugender als die sich gegenseitig ankotzenden Schreckgestalten in Hoopers MORTUARY. Ansonsten hat man auch hier eine leicht überschaubare Geschichte, die in den üblichen Gruselbahnen verläuft, vor sich und (wieder einmal) von ruhelosen Geistern handelt, die sich einfinden, um ihren Blutzoll fordern. Und da gerade ein Nachfahre (Stereotyp: Martin McDougall, DOWN; OCTOPUS) ihres einstigen Peinigers in den Bergen aufgetaucht ist, haben sie umso mehr Blut geleckt. Den Enthusiasmus von Davidson, der sich wie Bolle freut, daß man mit Kindern als Zombies was noch nie dagewesenes kreiert hat, kann man freilich nicht ganz teilen, finden sich doch gerade mit der endlosen KINDER DES ZORNS-Reihe oder Carpenters DORF DER VERDAMMTEN ähnliche Geschichten in anderen Gewändern. Doch die routinierte Regie von Cardone sorgt mit dem entsprechenden Gespür für Spannung und Atmosphäre dafür, dass der Zuschauer dennoch anderthalb Stunden lang anspruchslos unterhalten wird. Wenn man ihm auch mal vernünftige Drehbücher geben würde, wäre er ohne Zweifel in der Lage, noch viel bessere Filme zu inszenieren.

 

    • In Nebenrollen gibt es ein Wiedersehen mit zwei alten Genre-Hasen: Ben Cross (EXORZIST: DER ANFANG, 2004; SPECIES: THE AWAKENING, 2007) ist der verschrobene Waldschrat aus der Nachbarschaft, der die Zombie-Kids bislang mit Tieropfern von sich fern halten konnte. Geoffrey Lewis (TÖDLICHE VISIONEN, 1990; THE DEVIL’S REJECTS, 2005) ist als mürrisch murmelnder Klempnermeister, der die olle Bruchbude einigermaßen wieder instand setzt, leider nur kurz dabei und wird schon nach einer halben Stunde ins Jenseits befördert. 

    • Die Welt ist ein Dorf: Hauptdarstellerin Lori Heuring, die hier ihre Sache ganz ordentlich macht, war zuvor schon in drei Filmen von Cardone zu sehen: neben dem bereits erwähnten 8mm 2 waren dies die beiden wenig interessanten Thriller TRUE BLUE (2001, an der Seite vom ollen Tom Berenger) und MUMMY AN’ THE ARMADILLO (2004). Ihre Filmtochter Scout Taylor-Compton übernahm in Rob Zombies HALLOWEEN-Remake (2007) die Rolle von Jamie Lee Curtis: Laurie Strode - und hat sich auch dort eindeutig übernommen

    • Unter der beachtlichen Produzentenriege finden sich mit Boaz Davidson, Danny Dimbort, Avi & Danny Lerner sowie Trevor Short die Leute vom allseits bekannten Billigfilm-Studio Nu Image wieder, die uns paar Jahre zuvor mit zahlreichen Tier-Horror- und Monsterschocker schockten, wie etwa CROCODILECROCODILE IIOCTOPUS, OCTOPUS II, LARVA, CREATURE, SHARKMAN etc.

    • J. S. Cardone arbeitete Anfang der 90er für Charlie Bands Full Moon Entertainment als Regisseur (SHADOWZONE) und Autor (KAMPF DER ROBOTER), danach kamen etliche Billigthriller dazu, was mit der überflüssigen Fortsetzung 8mm 2 (2005) gipfelte. Am besten gefiel seine NEAR DARK-Variante THE FORSAKEN (2001). Seine neueste Errungenschaft ist etwas, was uns allen noch gefehlt hat: das Drehbuch zum geplanten PROM NIGHT-Remake.

      Anbieter: e-m-s

      Bild: 1,85:1 (Widescreen, anamorph)

      Ton: Deutsch (DTS 5.1)

       Deutsch (DD 5.1)

       Englisch (DD 5.1)

      Untertitel: Deutsch

      Regionalcode:2

      TV-Norm: PAL

      Verpackung: Keep Case (Amaray) mit Holocover

       Alternativ auch als Steelbook

      Laufzeit: 90 Min. (uncut)

      FSK: k. J.

      Extras:

      Making of „Wicked Little Zombies“

      Trailer (deutsch, englisch)

      Bildergalerie

      Diverse andere Trailer 

      Das Hologrammcover ist eine echter Hingucker und in diesem Fall der gleichsam ausgestatteten Steelbook-Variante vorzuziehen. In den USA erschien übrigens auch der Director’s Cut und Unrated-Fassung.


   

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