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H O S T E L 2 „Der erschreckendste Teil der Folter ist die Vorbereitung. Wenn sie schließlich beginnt, ist sie nicht mehr angsteinflößend, sondern nur noch eklig. Und wenn es zu lange dauert, dann stellt sich ein langweilender Effekt ein. Aber wenn man alles richtig macht, dann ist die Vorbereitung entsetzlicher als die Tat selbst.“ (Eli Roth)
USA 2007 / O: „Hostel: Part 2“ / Prod.: Raw Nerve; Screen Gems; Lionsgate; International Production Company; Next Entertainment; Truenorth Productions / Laufzeit: 93 Min. (Kino, cut) / FSK: k.J. Regie + Buch: Eli Roth / Musik: Nathan Barr / Kamera: Milan Chadima / Schnitt: George Folsey, Jr., Brad E. Wilhite / Ausf. Prod.: Quentin Tarantino, Scott Spiegel, Boaz Yakin / Prod.: Chris Briggs, Mike Fleiss, Eli Roth / Spezialeffekte: Howard Berger, Gregory Nicotero Darsteller: Lauren German (Beth), Roger Bart (Stuart), Heather Matarazzo (Lorna), Bijou Phillips (Whitney), Richard Burgi (Todd), Vera Jordanova (Axelle), Jay Hernandez (Paxton), Jordan Ladd (Stephanie), Edwige Fenech (Art Class Professor), Ruggero Deodato (italienischer Kannibale), Luc Merenda (Detective), Susanna Bequer (Dolmetscherin), Stanislav Ianevski (Miroslav), Milda Havlas (Desk Clerk Jedi) sowie Zuzana Geislerová, Milan Knazko, Patrik Zigo, Ivan Furak, Liliya Malkina, Philip Whaley, Monika Malacova u.a. |
Sag’ mir, was für Filme du schaust und ich sage wer du bist: HOSTEL definierte den Begriff „Folterfilm“ neu und das auf eine derart unangenehme Weise, daß er für einige zur Filmfolter geriet. Wo James Wan mit SAW (2004) noch relativ zurückhaltend die alte Eisensäge ansetzte, zeigte uns Eli Roth in langen, quälenden Einstellungen, was reiche Menschen in ihrer Freizeit mit allerlei Mordswerkzeug und anderen Menschen so anstellen. HOSTEL war es auch, der einen neuen Begriff in die blutige Filmwelt einführte: „Folter-Porno“. Abgründige Horror-Satire oder plump-sadistische Splatter-Farce? Diese Antwort muss jeder für sich selbst finden. Für Kontroversen sorgte Eli Roth jedenfalls reichlich. Wenn man sich schon allein die vielen Beiträge in diversen Internetforen durchliest, ist es interessant fest zu stellen, dass sogar diejenigen dem Film eine menschenverachtende Gewaltverherrlichung attestierten, die sonst auf Filmbörsen, dem Schlaraffenland für Horror-Junkies, so richtig viel Kohle für genau die Sorte von Film ausgeben, bei denen man sich wirklich fragt, wo denn die Gewaltverherrlichung aufhört und die Menschenverachtung anfängt. Das sieht eben jeder ein bisschen anders und wird so zurecht gebogen, wie’s gerade passt. Der Vorwurf, dass sie letztendlich auch nur ihr Geld ausgeben, um zu sehen, wie Menschen gequält, verstümmelt und ermordet werden, ist denn aber zu viel des Guten. Oder des Schlechten. Es sind ja alles nur Filme. Beim Erscheinen von HOSTEL 2 müsste eigentlich das Soll an Folterungen und Verstümmelungen auf großen Leinwänden und in heimischen Heimkinos längst erreicht sein… möchte man meinen… Doch Eli Roth haut noch einen drauf! Tatsächlich ist HOSTEL 2 so, wie man vermutet hat: nach den Jungs im ersten Teil sind im zweiten Teil die Mädels dran. Soviel zum Thema Gleichberechtigung. Zunächst aber begegnen wir einem völlig fertigen Paxton (Jay Hernandez), dem einzigen Überlebenden, der aus der Folterhölle entkommen konnte. Die Fortsetzung fängt genau da an, wo der Vorgänger endete. Umso überraschender, dass er nach nur wenigen Minuten im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf verliert. Und schon wendet sich Roth seinen drei Heldinnen zu: die jungen Touristinnen Beth (Lauren German), Whitney (Bijou Phillips) und Lorna (Heather Matarozza als hässliches Entlein). Schon während ihre drei Charaktere (kurz) vorgestellt werden, wissen wir: das sind sie, die drei potentiellen Folter-Kandidatinnen. Deren Schicksal verläuft genauso böse wie das der Jungs aus dem ersten Teil: Eigentlich wollten sie ja nach Prag, doch lassen sie sich ebenfalls zu einem Kurztrip in die Slowakei überreden, wo sich das versprochene Wellness-Wochenende als böse Folter-Falle entpuppt. Es soll ja einige niederträchtige Personen geben, die sich so einen Film nur aus dem Grunde anschauen, um zu sehen, wie denn diesmal so ein Mensch leinwandgerecht zu Tode gefoltert wird. Welch kreative Foltermethoden man sich wohl diesmal hat einfallen lassen? Am besten gar nicht ins Kino gehen, sondern gleich aus dem Netz runterladen, da kann man gleich zu den entsprechenden Szenen vorspulen. Wenn man ganz viel Glück hat, gibt’s den Film dort sogar ungeschnitten, im Gegensatz zur verstümmelten (Ironie des Schicksals) deutschen Kinofassung. Ganz ausgebuffte Voyeure geben sich mit einem fiktiven Stück wie HOSTEL 2 keinesfalls zufrieden und finden stattdessen in selbst gedrehten Handy- und Internetvideos ihre ganz persönliche Befriedigung. Jedem das seine. Es wäre langweilig gewesen, wenn sich Eli Roth, wiederum Regisseur und Autor in Personalunion, einzig auf das erneute Abspulen bewährter Storys beschränkt hätte, was ja bei Fortsetzungen oft zutrifft. Und zu einem gewissen Teil eben auch bei HOSTEL 2, denn die Dramaturgie des Vorgängers wird prinzipiell beibehalten. Doch parallel zu den Geschehnissen um Beth, Whitney und Lorna erzählt er einen weiteren Handlungsstrang, der viel interessanter ist: wir sehen ihre Landsmänner Todd (Richard Burgi, STARSHIP TROOPERS 2, 2004) und Stuart (Roger Bart, DIE FRAUEN VON STEPFORD, 2005) auf ihre Reise in die Slowakei. Ihre Vorbereitungen darauf, jene junge Frauen zu Tode zu foltern, für die sie bereits bezahlt haben. Was sie denken und fühlen, bevor sie es tun… Das sind dann auch die kraftvollsten Szenen im ganzen Film, handelt es sich doch bei Todd und Stuart um ganz normale Männer, die auch nur (im normalen Leben) einem geregelten Familien- und Jobleben nachgehen. Bei letzterem handelt es sich offensichtlich um einen lukrativen Spitzenmanager-Job. Spitzenmanager verdienen nämlich so viel, daß sie es sich durchaus leisten können, viel Geld zu bezahlen, um andere Menschen aus Spaß an der Freude zu töten. In einer Szene der Ausgelassenheit begegnet das Opfer dem Täter, ohne freilich davon zu wissen. Stuart ist hier der Täter, der schon weiß, mit wem er sich da unterhält: er hat ja schon für sie bezahlt. Und fühlt sich ganz unbehaglich dabei. Das Täter/Opfer-Motiv ist es auch, was sich gegen Ende hin noch einmal wenden soll. Am Schluss folgt noch die Moral von der Geschichte: Es ist eben alles nur eine Frage des Geldes. Ursprünglich wollte Roth seine Fortsetzung aus der reinen Tätersicht präsentieren, doch bewog es ihn mit dem bloßen Tausch der Geschlechterrollen in den Opferrollen eine gewohnt konventionelle Erzählweise einzuschlagen, die das gestandene Mainstream-Publikum, bei all den Tabubrüchen und Gewalt-Exzessen, bitteschön nicht überfordern soll. So blieb nur die Parallelhandlung mit Stuart und Todd übrig, deren Verhalten und Beweggründe Roth psychologisch zu erklären versucht, was eher oberflächlicher Natur bleibt. Das Schicksal seiner drei Protagonistinnen ist es, was ihn mehr interessiert, den Zuschauer aber eher kalt lässt, da er längst weiß, wo ihre ursprüngliche Prag-Reise enden wird … bis zum „überraschenden“ Finale. Welches sich wiederum für Männer mit Kastrationsangst als besonders unangenehm herausstellen dürfte, aber irgendwie musste ja Roth den Folter-Höhepunkt mit dem baumelnden Augapfel übertreffen. Der satirische Biss, der hinter dieser ganzen HOSTEL-Hysterie steckt, findet sich indes nur in einer Szene wieder, die standesgemäß in fast jeder Rezension zitiert wird und auch hier nicht fehlen darf: Stinkreiche Hobby-Folterknechte, die mittels unserer perfekt funktionierenden Telekommunikation ihre Folter-Opfer meistbietend ersteigern. Ein böser Seitenhieb auf Globalisierungs-Wahn und ebay-Mentalität. - Als Inspirationsquelle nennt Eli Roth die zahlreichen italienischen Giallo-Thriller aus den 70ern, die es ihm so angetan haben und mit Gastauftritten dreier Italo-Ikonen Tribut zollt. So beschert er uns ein Wiedersehen mit Edwige Fenech, die von den späten 60ern bis in die frühen 80er sowohl in zahlreichen frivolen Erotikklamotten als auch diversen Killer-Thrillern (wie z.B. Sergio Martinos DER KILLER VON WIEN, 1971, und DREI FARBEN DER NACHT, 1972, oder Andrea Bianchis DIE NACHT DER BLANKEN MESSER, 1975) ihre Reize einzusetzen vermochte und zu Beginn als Kunstprofessorin zu sehen ist, während Luc Merenda (aus Sergio Martino’s TORSO, 1973) als hartnäckiger Detektiv an Paxtons Krankenbett eine kurze, aber eindringliche Stippvisite gibt. Ein Highlight für sich ist der selbstironische Cameo vom berühmt-berüchtigten CANNIBAL HOLOCAUST-Regisseur Ruggero Deodato, der als Folter-Gourmet mit Appetit auf Menschenfleisch genussvoll ein Gehirn verspeist und sein Opfer dabei zuschauen lässt.
- Die drei Hauptdarstellerinnen kamen zuvor, jede auf ihre Weise, mit dem Genre in Berührung: Lauren German war das verstörte Mädchen, das sich in Marcus Nispels Remake THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (2003) zu Beginn ein Loch in den Kopf schoss, Bijou Phillips spielte in Jim Gillespies Voodoo-Horror VENOM (2005) und Jeremy Kasten’s Remake THE WIZARD OF GORE (2006/2007) mit und die eher auf Komödien abonnierte Heather Matarazzo hatte immerhin eine Nebenrolle in SRCEAM 3 (2000).
- Lauren German und Bijou Phillips sind 2007 in WHAT WE DO IS SECRET, einem Biopic über die Punk-Legende Darby Crash und seiner Band, erneut zu sehen, ebenso in der für 2008 angekündigten Komödie MADE FOR EACH OTHER. Die Welt ist ein Dorf.
- Auch kurz dabei: Jordan Ladd (aus Eli Roths Debüt CABIN FEVER und Tarantinos DEATH PROOF), die zu Beginn als Paxtons Freundin einen Schreck fürs Leben bekommt.
- „Virtuos inszeniertes, extrem brutales Blutbad, das weitgehend die Dramaturgie des ersten Teils kopiert.“ (Alex Attimonelli, CINEMA 08/07)
- „Was bleibt ist eine mühsam als Systemkritik verkleidete Selbstjustiz-Apologie, die ihren Mangel an Spannung durch mal pubertär-alberne, mal schlicht willkürliche und ideologisch fragwürdige Schock- und Ekeleffekte kaschiert.“ (David Kleingers, DER SPIEGEL, 13.06.07)
„Zu dumm, um als böser Kommentar zum "Mit Geld lässt wirklich alles kaufen"-Kapitalismus durchzugehen. Zu bemüht ernsthaft, um als überzogene Splatter-Satire zu funktionieren. Zu bemüht lustig, um eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen. Der Film schlingert umher wie jemand, der barfuß versucht, das von lauter Kunstblut glitschige Filmset zu überqueren. So verliert HOSTEL 2 – wie sein Vorgänger – jede Kraft. Statt Grauen und Spannung herrschen Desinteresse und Langeweile.“ (Ralf Sander, STERN, 15.06.2007)
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Hostel 1 war unterhaltsam, keine Frage a
Geschrieben von: Film Fan am 11-05-2008 14:46