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Dämonen aus dem All
 

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Veröffentlicht in : Filme, D

DÄMONEN AUS DEM ALL

„Sag mal, was ist auf der Erde eigentlich los?“
„Naturkatastrophen! Aber solche, wie wir sie überhaupt nicht kennen.
Die Pole schmelzen wie Butter in der Sonne!“ 

I 1965 / O: „La Morte viene del pianeta Aytin” / AT: „The Devil Men from Space”; „Gamma I Quadrilogy Vol. 4”; „Snow Demons”; „The Snow Devils”; „Space Devils” / Prod.: Mercury Film International; Southern Cross Productions / FSK: k.A. / Laufzeit: 86 Min. 

Regie: Antonio Margheriti [alias Anthony M. Dawson] / Musik: Angelo Francesco Lavagnino / Kamera: Riccardo Pallotini / Schnitt: Otello Colangeli / Associate Producers: Joseph Fyrd, Antonio Margheriti, / Prod.: Nino Masini, ungenannt: Walter Manley, Ivan Reiner / Buch: Ivan Reiner, Renato Rossetti [= Renato Moretti], ungenannt: Antonio Margheriti, Bill Finger, Charles Sinclair, Aubrey Wisberg 

Darsteller: Giacomo Rossi-Stuart [als Jack Stuart] (Commander Rod Jackson), Ombretta Colli (Lisa Nielson), Renato Baldini (Captain Frank Pulasky), Wilbert Bradley (Sharu), Enzo Fiermonte (General Norton), Halina Zalewska (Lt. Teri Sanchez) sowie Furio Meniconi, Freddy Unger [= Goffredo Unger], Isarco Ravaioli, Renato Montalbano, Piero Pastore, Giuliano Raffaelli, Franco Ressel, Nino Vingeli, ungenannt: Franco Nero [!], Pietro Martellanza, Archie Savage

Ein weiteres Beispiel für die kunterbunte Vielfalt trivialer italienischer 60er-Jahre-Science-fiction (allen voran Mario Bavas großartiger PLANET DER VAMPIRE). Genre-Tausendsassa und B-Movie-Koryphäe Antonio Margheriti alias Anthony M. Dawson leistete seinen Beitrag dazu und inszenierte mit SPACE MEN (1960) und IL PIANETA DEGLI UOMINI SPENTI (1961) vielversprechendes, was uns in Good Old Germany leider verwehrt blieb. Für Mercury Film International steuerte er ein Viererpack (später als Gamma I Quadrilogy betitelt) bei, das neben dem hier vorliegenden DÄMONEN AUS DEM ALL auch TÖDLICHE NEBEL (1965), parallel dazu die inoffizielle Fortsetzung RAUMSCHIFF ALPHA (1965) sowie ORION 3000 – RAUMFAHRT DES GRAUENS (1966) beinhaltet. Wie phantasievoll diese oft zu Unrecht als billige Schundfilme betitelten SF-Heuler wirklich sind, lässt sich schon bei RAUMSCHIFF ALPHA ausmachen, in dem ein böser Wissenschaftler den Frieden im Weltraum mit einer Armee von künstlichen, aufblasbaren (!!!) Frauen bedroht. Das ist Science-fiction! 

DÄMONEN AUS DEM ALL, der hierzulande bislang nur auf premiere lief, dürfte wegen seiner kunterbunten Zutaten und der haarsträubenden Vielfalt sowohl Euro-Trash-Fans als auch die Anhänger des gehobenen schlechten Geschmacks durchaus Entzücken bereiten – ganz besonders, wenn man eine Vorliebe für die italienischen Science-Fiction-Filme aus dieser Epoche hat. Zumal es sich hier um eine echte Rarität handelt, da dieser spätere vierte Teil von Margheritis Sixties Space Opera vor seiner Ausstrahlung bei premiere in Deutschland (letztens 2005) weder im Kino, noch auf Video oder im Free TV lief.  

Gleich zu Beginn geht es mit der Zerstörung einer Wetterstation im Himalaya hoch her; alle Besatzungsmitglieder werden getötet, nur der Kommandant Lt. Harris wird vermisst. Daraufhin sieht sich General Norton veranlasst, seine zwei besten Männer, Commander Rod Jackson und seinen 2. Offizier Captain Frank Pulasky, aus dem Urlaub zurück ins Hauptquartier der Weltraumbehörde zu beordern. Zahlreiche Naturkatastrophen haben inzwischen die Erde heimgesucht. Der renommierte Wissenschaftler Dr. Schmidt bringt wenig später die heikle Lage (Achtung! Aktueller Zeitbezug!) auf den Punkt: „Eine totale Klimaveränderung in den Polar- und Alpenregionen! Wenn das so weiter geht, werden riesige Flutwellen den ganzen Globus überrollen!“ Commander Jackson macht den Erklärbär und will herausgefunden haben, wo der Ursprung dieser furchtbaren Naturkatastrophen liegt: im Himalaya! Genau dahin schickt General Norton Jackson und Pulasky, damit sie mal nachschauen, was da oben los ist. Es wird ein beschwerlicher Fußmarsch, denn das Schneegefährt, der Jet, wurde sabotiert (Es gab nur diesen einen!) und die Rucksackträger haben aus Angst vor dem Yeti die Flucht ergriffen. In einem Höhlenlabyrinth werden sie von grünhäutigen, pelzigen Riesen überwältigt und in eine Kammer mit einer gigantischen Apparatur gesperrt, wo deren Anführer (er sieht aus wie eine wuschelige Mischung aus Karl Marx und Gunther Emmerlich) zu ihnen spricht: „Eurem dummen Gesichtsausdruck ist zu entnehmen, wie sehr ihr euch darüber wundert, dass ein Affenmensch normal, intelligent und verständlich reden kann.“ Er offenbart unserem verdutzten Commander Jackson und seinem noch verdutzteren Captain Pulasky das er nicht Yeti, der Schneemensch ist, sondern nur ein Ausserirdischer vom Planeten Aytin. Da ihre Welt vom Untergang bedroht ist, bereiten die Aytiner unseren blauen Planeten für die Kolonisation vor, in dem sie das Klima an ihre frostige Welt anpassen. 100 Jahre sind sie nun schon hier, genau zu der Zeit, als die Legende vom Yeti entstand. Es stand also schon immer fest: es hat nie einen Yeti gegeben! Alles nur Quatsch gewesen. Schnell werden die Invasoren und deren Erd-Aussenposten außer Gefecht gesetzt. Genützt hat’s nix, die Naturkatastrophen sind sogar noch heftiger geworden: am Nordpol fallen die Eisberge auseinander, die Themse schwabbert über und Nagasaki wird überschwemmt. O-Ton Commander Jackson: „Diese Eiswesen sind eine große Gefahr für die Erde. Wir müssen ihre interplanetarische Basis finden und vernichten, aber wir haben nur 24 Stunden Zeit!“  

Also schickt General Norton Commander Jackson und Captain Pulasky zur Raumstation Gamma I, wo die leistungsfähigsten Computer des Systems stehen. Von dort aus starten sie in Richtung eines Jupitermondes, wo man unbekannte Signale empfangen hat, doch zuvor gilt es noch schnell einen Meteoritenschwarm auszuweichen. Captain Frank Pulasky strotzt vor Heldenmut: „Gemeinsam werden wir diese Schlacht um den Planeten der Affen hoffentlich gewinnen!“ Wo Männer noch Männer sind.

Können Commander Jackson und Captain Pulasky die Katastrophe verhindern? Wird die Erde untergehen? Werden sie die bösen Aliens besiegen? Oder schafft es die FDP zurück in die Bundesregierung? 

Bei so vielen Zutaten kann einfach keine Langeweile aufkommen: Pappkulissen-Charme wie in den alten Enterprise-Folgen, Schneegestöber, Überschwemmungen, grünhäutige, pelzige Außerirdische, die wie Neandertaler aussehen, High-Tech-Computer mit haufenweise blinkenden Kontrolllämpchen, Spielzeug-Helikopter, synthetischer Martini, Raumschiffe mit Düsenantrieb, absolut beeindruckende Handfeuerwaffen, futuristische Städte mit ebensolchen Automobilen, aufregende Weltraummanöver, Kriechereien im Lüftungsschacht, eine kuriose Wendeltreppe, das alles umrahmt von einem herrlich schmissigen Sixties-Soundtrack. 

Schauspielerisches Highlight: Das Vortäuschen von Schwerelosigkeit! 

·          Giacomo Rossi-Stuart, bekannt aus Mario Bavas EINE HANDVOLL BLANKER MESSER und DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA (beide 1966), ist in der selben Rolle auch in ORION 3000 – RAUMFAHRT DES GRAUENS zu bewundern 

·          Wie schon in den anderen drei Filmen der Gamma 1 Quadrilogy verdiente sich auch hier der spätere CANNIBAL HOLOCAUST-Regisseur Ruggero Deodato seine ersten Sporen im Filmgeschäft 

·          Wer hier irgendwo Franco Nero (der  auch in TÖDLICHE NEBEL und RAUMSCHIFF ALPHA zu sehen war) entdeckt, darf sich zur Belohnung den Film noch mal ansehen 

·          Weitere bislang besprochene Filme von Antonio Margheriti:

                 SCHLOSS DES GRAUENS (1963)

DRACULA IM SCHLOSS DES SCHRECKENS (1971)

DAS ALIEN AUS DER TIEFE (1989) 

·          „Obwohl die Schilderung der Handlung sprunghaft ist und zu viele bizarre Plotelemente enthält, zeigt Margheritis Regie den gewohnten visuellen Einfallsreichtum.“ (DIE SCIENCE FICTION FILMENZYKLOPÄDIE)

 

 

   

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