S A W III
„Ich liebe es, Szenen zu inszenieren, die dem Zuschauer auf den Magen schlagen, und offensichtlich steht das Austesten der eigenen Schmerzgrenzen im Rahmen fiktiver Filmsimulationen wieder hoch im Kurs.“ (Darren Lynn Bousman)
USA 2006 / O: „Saw III“ / Laufzeit: 107 Min. (Kino) Regie: Darren Lynn Bousman / Musik: Charlie Clouser / Kamera: David A. Armstrong / Schnitt: Kevin Greutert / Ausf. Prod.: James Wan, Leigh Wannell, Peter Block, Jason Constantine, Daniel Jason Heffner, Stacey Testro / Prod.: Mark Burg, Gregg Hoffman, Oren Koules / Buch: Leigh Wannell / Story: James Wan, Leigh Whannell Darsteller: Tobin Bell (Jigsaw / John), Shawnee Smith (Amanda), Angus Macfadyen (Jeff), Bahar Soomekh (Lynn), Donnie Wahlberg (Eric Matthews), Dina Meyer (Kerry), Leigh Wannell (Adam), Mpho Koaho (Tim), Barry Flatman (Judge Halden), Lyriq Bent (Rigg), Costas Mandylor (Hoffman), J. LaRose (Troy), Debra McCabe (Danica), Betsy Russell (Jill), Jane Luk (Krankenschwester), Stefan Georgiou (Dylan), Kelly Jones (Pete), Vincent Rother (Joe), Franky G. (Xavier), Timothy Burd (Obi) sowie Niamh Wilson, Alan Van Sprang, Kim Roberts, Brian Paul, Zoe Heath, Dylan Trowbridge u.a. |
Ich erzählte mal jemandem, dass SAW III endlich mal eine Fortsetzung mit ganz besonders viel Hirn sei. Mein Gegenüber verstand meine Anspielung nicht und erwiederte, dass der Film wirklich clever war. Zugegebenermaßen ist SAW III, gemessen an der wirklich hirnlosen Horror-Massenware, immer noch trick- und wendungsreich, aber leider waren die Macher eben nicht clever genug, bei den gegenwärtig schwer angesagten Terror-, Folter- und Psychopathenfilmen der möglichen Überdosierung blutrünstiger Schock- und Splatterszenen zu widerstehen. Gerade über diesen dritten Teil schwebt während der gesamten Laufzeit eben doch der Drang dazu, das möglichst zuvor Gesehene an bestialischen Grausamkeiten übertreffen zu wollen, wodurch eben der ausgeklügelte Storyverlauf arg zerdrückt wird.
Regie führte wie schon in SAW II Darren Lynn Bousman, während die Erfinder der Serie, James Wan und Leigh Whannell, wieder ihre Posten als Produzenten und Autoren einnahmen und den dahin siechenden Jigsaw (Tobin Bell) in ein geheimes Krankenbett-Lager verfrachteten. Vom Krebs schwer gezeichnet, ist er dem Tode näher als dem Leben und wartet in seinem Versteck nur darauf, dass sein letztes Stündlein schlägt. Doch als krönenden Abschluss hat er sich noch ein ganz besonderes Spiel ausgedacht. So entführt in seinem Auftrag die von ihm bestens angelernte Amanda (Shawnee Smith), die sein Lebenswerk nach seinem Ableben weiter führen soll, die Ärztin Lynn (Bahar Soomekh), um Jigsaw solange am Leben zu halten, bis das Spiel vorbei ist. Im Mittelpunkt steht der trauernde Familienvater Jeff (Angus Macfadyen, EQUILIBRIUM), dessen Seele vom Hass zerfressen ist, seit sein Sohn durch einen betrunkenen Autofahrer von ihm genommen wurde. Wie Lynn ein Gefangener, bekommt er, seinem Rachedurst entsprechend, von Jigsaw die Gelegenheit, all den Verantwortlichen, die Schuld am Tod seines Kindes haben, in die Augen zu schauen. Und eben, wie in einem Jigsaw-Spiel üblich, die entscheidende Wahl zu treffen und die lautet im Fall von Jeff: Vergeben oder vergelten? Während er sich diese Frage stellt, wird er bald in Zweifel geraten, ob die pure Rache wirklich das war, worauf er in den letzten Jahren aus war. Aber dazu müssen die entsprechenden Verantwortlichen eben erst in bestialische Todesfallen gesteckt werden, damit Jeff zu einer Antwort gelangt.
In der Zwischenzeit kämpft auch Lynn um ihr eigenes Überleben, denn, fies wie Jigsaw nun mal ist, tickt um ihrem Hals eine gemeine Killer-Apparatur, die mit dem Herzschlag ihres Patienten gekoppelt ist. Wenn der versiegt, macht es „Bumm!“ Und so kommt es eben im Verlauf fast dazu, dass Jigsaw frühzeitig über den Jordan springt, was nur durch eine spontane Gehirn-OP zu verhindern ist. Das garstige Kreischen der Knochensäge und das bloßgelegte Denk- und Schaltorgan in Großaufnahme – sag ich doch: SAW III ist ein Film mit besonders viel Hirn. Nur musste ich eben dabei ganz spontan an die herrliche STAR TREK-Folge „Spock’s Gehirn“ denken, in der unser Lieblingsvulkanier bei halbem Bewusstsein Dr. McCoy Anweisungen gab, wie dieser denn seinen abhanden gekommenen Gehirnkasten wieder da einpflanzen soll, wo er hingehört. Auf die entsprechenden Details wurde damals natürlich verzichtet, was man hier nicht unbedingt behaupten kann. Nur dass die Gehirn-OP hier wie anno dazumal unter örtlicher Betäubung stattfindet.
In gewisser Weise ist auch das betäubend, was man als Horrorfan mittlerweile auf der Kinoleinwand genießen darf: zuschauen, wie die Jigsaw-Opfer in einem sich stetig füllenden Riesenbottich voller verwester Schweinskadaver-Innereien zu ertrinken drohen, ihre Extremitäten um 360° gedreht werden oder sich vom im Fleisch verankerten Ketten á la HELLRAISER losreißen müssen. Ganz schön heftig, wie heftig es mittlerweile in diesem Genre zugeht. Ist es wirklich das, was die Leute sehen wollen? Gut, niemand möchte, dass Jigsaw’s Todesfallen so belanglos und banal wie die Wetten bei „Wetten, dass..?“ daherkommen. Nur sollten Filmemacher in ihrem Bestreben, das Publikum bei Laune (und Kinokasse) zu halten, nicht dem Selbstzweck verfallen. Gerade auf die ausführlich dargestellte Schädeldeckenaufbohr-Szene hätten Bousman und Whannell getrost verzichten können, ist sie im Grunde genommen, wie jede selbstzweckhafte Szene, vollkommen überflüssig.
Dabei ist SAW III alles andere als ein überflüssiger Aufguss, bekommt man doch schließlich das geboten, was man auch erwartet hat. Diese zweite Fortsetzung bleibt wie schon ihr Vorgänger dem Original treu: eine grimmige Optik, ebenso raffinierte wie bizarre Todesfallen und eine geschickte Auflösung. Die dunklen Abgründe werden ein wenig gelichtet, Handlungslücken aus den beiden Vorgängern geschlossen und man erhält etwas mehr Überblick in dieses komplexe SAW-Universum. So legt sich Drehbuchautor Leigh Whannell als Adam, seiner Rolle aus Teil 1, erneut in die keimige Badewanne, die Polizistin Kerry (Dina Meyer) ist ebenso wieder mit dabei und wir sehen, was mit Detective Eric Matthews (Donnie Wahlberg in einem Gastauftritt) aus Teil 2 geschehen ist.
In Flashbacks wird die besondere Beziehung zwischen Amanda und John, von der Cinema als Albtraumpaar der Horror-Erfolgswelle bezeichnet, vertieft, die jedoch Risse bekommt, als sie ziemlich eifersüchtig auf die zunehmende Vertrautheit zwischen ihrem geistigen Vater und seinem Opfer Lynn reagiert. Eine Eifersucht, die sie mit Eiseskälte zu überspielen versucht und von Shawnee Smith wiederum bravourös gespielt wird.
Manch einer wird jetzt vielleicht mit den Augen rollen, doch der Horrorfilm lebt nun mal auch von seinen drastischen, blutdurchtränkten Bildern (obwohl die SAW-Reihe zugegebenermaßen mehr Psychoterror als handfesten, klassischen Horror bietet). Sich voll und ganz der Faszination blutiger Splatter-Exzesse hingeben, vielleicht, um das eigene Schmerzempfinden auszutesten – oder zumindest das der jeweiligen Protagonisten. Man möchte sehen, wie weit die da gehen. Ich sehe was, was Du nicht sehen willst. Was allerdings auch nicht zu übersehen ist, dass SAW III, trotz der positiven Attribute, unter dem typischen Fortsetzungssyndrom leidet und der angesprochene Psychoterror im ersten Teil deutlich besser funktionierte. Denn obwohl Jigsaw’s Todesfallen auch hier wieder ungemein kreativ zuschlagen, wird sein Spiel mit dem Spiel immer mehr zur Routine, da der Ablauf letztendlich der selbe bleibt und genau jene Zutaten, die einem vor allem im ersten Teil in Schockzustand zu setzten vermochten, der reinen Unterhaltung gewichen sind. Man zuckt mal kurz zusammen und das war’s…
…noch lange nicht: für Halloween 2007 ist SAW IV angekündigt.
naja
Geschrieben von: Mir am 07-02-2008 18:52