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ULTRAVIOLET
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USA 2006 / O: “Ultraviolet” /
Prod.: Screen Gems / 84 Min. / FSK: ab 12
Regie + Buch: Kurt Wimmer /
Musik: Klaus Badelt / Kamera: Arthur Wong Ngok Tai / Schnitt: William
Yeh / Ausf. Prod.: T. C. Wang, Charles
Wang, Tony Mark, Sue Jett / Prod.: John Baldecchi
Darsteller:
Milla Jovovich (Violet), Cameron Bright (Six), Nick Chinlund (Daxus),
William Fichtner (Garth), Sebastian Andrieu (Nerva), David
Collier (BF-1), Kieran O'Rorke (Detective Ross), Digger Mesch
(Detective Endera), Ryan Martin (Detective Breeder), Ida Martin
(junge Violet) sowie Steven Calcote, Ricardo Mamood, Mike Smith, Clay
Cullen, Jennifer Caputo, Jack Murphy, Diego Swing,
Abraham Boyd, Matthew Sturgess u.a.
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Eigentlich fängt ULTRAVIOLET ganz nett an: mit einem hübsch gestalteten Vorspann, der wie eine Reise durch den rauschenden Comic-Blätterwald ist. Alles was danach kommt, großmundig als “furioses Actionspektakel mit Science-fiction-Elementen und energiegeladenen Kampfszenen” beworben, sieht wie eine armselige Billigvariante des fast zur selben Zeit entstandenen AEON FLUX aus und gehört ab in die Tonne.
Worum geht's? Um den Konflikt zwischen den Menschen und den sogenannten Hemophagen am Ende des 21. Jahrhunderts. Hemophagen – eine Art “moderne Vampire”. Als das Resultat einer Epidemie sind die schneller, intelligenter und stärker als die Menschen und werden daher von der Regierung als Bedrohung angesehen. Ein Diktator namens Daxus (albern: Nick Chinlund) macht gnadenlos Jagd auf sie, nur eine Kampfhyäne namens Violet (Milla Jovovich) kann es mit ihm aufnehmen. Sie kidnappt den 9jährigen Klon Six (Cameron Bright aus RUNNING SCARED), der ein Virus in sich trägt, welches zur Vernichtung von Violet's Rasse führen könnte. “Die Rettung des Jungen gerät zum Wettlauf gegen die Zeit, in dem sie nicht nur das Kind, sondern ihre gesamte Spezies beschützen muss und Rache an denjenigen sucht, die ihr persönliches und das Schicksal ihrer Mitstreiter zu verantworten haben.” (Cover-Text)
Erhellende Kommentare und gefüllte Wissenslücken:
“Man kann die Berufung bei diesem Film geradezu spüren. Die Aufgabe ist nichts anderes, als der Versuch, moderne Science-fiction neu zu definieren.” (Tony Mark, ausführender Produzent)
“Es ist ein fortgeschrittener Genre-Film.” (John Baldecchi, Produzent)
“Ich hielt es für eine geniale, einfallsreiche neue Welt. Ich wollte unbedingt ein Teil davon sein.” (Nick Chinlund, Bösewicht-Darsteller)
“Ich arbeite gerne mit Kurt [Wimmer], weil seine visuellen Fähigkeiten einzigartig sind.” (Kameramann Arthur Wong)
“Arthur Wong ist ein phänomenaler Kameramann.” (Milla Jovovich)
Meine Fresse, was wird da vom Leder gezogen. Da ist es gar nicht so überraschend, wenn das fertige Endergebnis nicht so ganz den überschwenglichen, selbstverliebten Lobhudeleien entspricht. Milla Jovovich fühlte sich noch so geschmeichelt, da Kurt Wimmer, laut ihrer eigenen Aussage, das Drehbuch extra für sie geschrieben habe. Tja, mit Filmkarrieren ist es wie mit der Liebe: beide führen überall hin – und wenn es auf den Misthaufen ist. Nur sollte Milla eben aufpassen, können doch allzu häufige Auftritte in derartigen Schrottfilmen schnell der Sargnagel für eine Karriere, die im B-Movie-Milieu vor sich hinzudümpeln droht, bedeuten, siehe am Beispiel Wesley Snipes. Milla Jovovich: entweder kann sie nicht schauspielern oder sie will es einfach nicht. Oder empfindet vielleicht einen gewissen sadomasochistischen Reiz, sich in knalltüteligen Filmchen verheizen zu lassen. Nach Lara Croft, Catwoman, Elektra, Aeon Flux und Selene aus UNDERWORLD kommt nun auch noch eine gewisse Violet angedonnert. Drehbuch-Schmutzfink Wimmer, der diese Rolle für Minna-Milla geschrieben haben soll, baute extra für sie eine Art “virtuelle Kleidergaderobe” ein, mit der sie ohne ersichtlichen Grund aller 10 Minuten Kleidung und Haarfarbe ändern kann, das Ganze aber bauchfrei, bitte! So wird nun also “schauspielerische Wandlungsfähigkeit” definiert. Doch wenn schon die computeranimierten Figuren aus FINAL FANTASY und IMMORTAL darstellerisch überzeugender agieren als Milla Jovovich, die hier aussieht wie eine magersüchtige, um Coolness bemühte Bewerberin aus diesem gehirnamputierten Heidi-Klum-Prostituierten-Casting auf PRO 7, mag man gar nicht die glauben, dass dieselbe Schauspielerin einst ein bezauberndes Geschöpf namens Leeloo in Luc Bessons DAS FÜNFTE ELEMENT verkörperte. Scheiß egal, und so kommt RESIDENT EVIL: EXTINCTION 2007 in die Kinos. Ihr Kollege Nick Chinlund (CON AIR, TRÄNEN DER SONNE, RIDDICK – CHRONIKEN EINES KRIEGERS) ist als Diktator Daxus, komplettiert durch die Popelsperre in seinem Zinken, auch nicht viel besser: er wirkt ziemlich verloren, wenn er sich in eine lethargische Dauergrinserei verliert und erweckt doch nur den Eindruck, als ob jemand den großen Steckschlüssel zum Aufziehen, der eigentlich im Rücken sein sollte, um die Grinssteuerung zu regulieren, abgebrochen hat.
Apropos DAS FÜNFTE ELEMENT ... 9 Jahre zuvor enstanden, besitzt diese Zukunftsvision (sicherlich auch nicht frei von Schwächen) eine Schönheit, eine Klarheit und eine atemberaubende Optik, von der ULTRAVIOLET Lichtjahre entfernt ist.
ULTRAVIOLET ist einfach ultradoof. Es ist ein Film ohne Geist und Seele. Das letzte Fünkchen Intelligenz weggeballert in einem diffusen Gewimmel aus absurden Kampftechniken und dem übermäßigen Gebrauch alberner Handfeuerwaffen – das hatten wir doch schon einige Mal in den vergangenen Kinojahren. Ein paar Mal zu viel des Guten. Auf Anhieb fällt mir ein: EQUILIBRIUM, jene in anspruchslosen Kreisen völlig überbewertete Form der Sci-Fi-Unterhaltung, welche aber im Gegensatz zu ULTRAVIOLET als solche sogar mit einigen mehr oder wenigen tiefsinnigen Gedankenspielen auftrumpfen konnte. Aber nicht zu vergleichen mit dem, was der eitle Regie-Gockel Kurt Wimmer diesmal verbockt hat. ULTRAVIOLET hat mit Science-Fiction so viel zu tun wie die CSU mit vertrauenswürdiger Politik.
Von seiner unprofessionellen, amateurhaften Umsetzung der Computeranimationen beeinrächtigt ist der Film da albern, wo er eigentlich aufregend sein sollte. Ich hatte schon die Befürchtung, das so eine ulkige Dino-Animation aus dem Zeitreiseflop A SOUND OF THUNDER
angewackelt kommt, so schlecht sind hier die Spezialeffekte. Wenn Wimmer nicht viel mehr zu bieten hat, als eine hektisch geschnittene, von hohlen Dialog-Phrasen unterbrochene und mit pseudo-psychedelischem Soundtrack-Lärm kongenial ergänzende Zurschaustellung schlechter Spezialeffekte, ist der Vergleich mit einem Film, der auch nur schlechte Spezialeffekte auf Lager hatte, durchaus angebracht. Nichts anderes gibt es hier zu „bewundern“: eine mies arangierte, seelenlose Computerwelt, zusammengewurschtelt an einem Rechner, dessen Antivirusprogramm ganz offensichtlich versagt hat. Hier gibt's keine Computeranimationen, sondern Computerdeformationen. Hubschrauber verfolgen Motorräder, wie in einem billigen PC-Spiel. Sag mal, schämen die sich nicht, sowas auf die Menschheit loszulassen? Wie kann es sein, daß ein Film, in dem fortwährend gerannt, beballert und irgendwas in die Luft gejagt wird, trotzdem so merkwürdig leblos, steril und künstlich aufgeblasen wirkt? Und kann es sein, daß hier gar kein Drehbuch existierte, sondern nur eine dünne Drehbroschüre, nach deren Anleitung der Herr Regisseur seine filmische Totgeburt auf diese Welt rülspte? Für beides zeichnet Wimmer verantwortlich, der damit sowohl künstlerisch als auch menschlich versagte. Menschliches Versagen in einem Film, das führte schon zu etlichen Katastrophen bzw. Filmkatastrophen. Was ULTRAVIOLET wiederum mit dem Peter-Hyams-Desaster A SOUND OF THUNDER verbindet: Auch hier eilte schon vor der Kinopremiere eine extrem schlechte Mundpropaganda voraus. Und wenn das Produktionsstudio, in diesem Falle Sony, vor Filmstart so und so viel Minuten (einige sprechen von einer Viertelstunde, andere von einer halben Stunde) herausschneiden ließ, mag das alles andere als ein gutes Omen sein.
ULTRAVIOLET hat keine Schlauwerte und auch keine Schauwerte. Die zahlreich vorhandenen, sich ständig wiederholenden Martial-Arts-Einlagen und billigen Dauerballereien sollen Dynamik in diese inhaltsleere Film-Seifenblase bringen, erzeugen aber nur aufgeblähte Langeweile. ULTRAVIOLET hat nichts zu erzählen, sondern möchte nur zeigen. Doch ist das, was man sieht, eine Beleidigung für das menschliche Auge und jeden, der mindestens drei Tage aufrecht gehen kann. In dem grell-bunten Design-Trash, irgendwo zwischen futuristisch und faschistisch, ist nicht ein Hauch von Kompetenz und handwerklichem Können auszumachen. Wie denn auch, wenn alles komplett durch den Computer gewürgt wurde. Kurt, deine Filme sind echt zum wimmern!
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Wie schon in EQUILIBRIUM tritt William Fichtner, auch bekannt aus ARMAGEDDON, PEARL HABOR, BLACK HAWK DOWN und der SF-Serie INVASION, als Untergrundkämpfer im Hintergrund auf, ist hier aber mit seinen albernen Vampir-Beißern viel, viel lustiger...
- “Wenn man die Handlung jedoch beiseite schiebt, und sich ganz den visuellen Einfällen hingibt (und davon sind einige recht originell wie Klamotten, die die Farbe wechseln können oder Handys aus Papier), ist ULTRAVIOLET kein schlechter Trip für die (männlichen) Sinne, der so manchem mehr Spaß machen bereiten könnte als die MATRIX-Sequels – und mit Sicherheit weitaus weniger gekostet hat.” (Uwe Raum-Dainzer, MOVIESTAR 04/2006)
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“Die krude Sci-Fi-Mär ist lieblos mit dem Samurai-Schwert zusammengehackter Pixel-Schrott mit blutleeren Darstellern – eine Aneinanderreihung von peinlichen Dialogen und Hochglanz-Martial-Arts-Turnübungen, die nicht einmal für Freunde schneidiger Sci-Fi-Miezen taugt.” (Angela Zierow, CINEMA 07/06)
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Gern geschehen!
Geschrieben von: Webmaster am 12-04-2008 21:42