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SchwachPerfekt 

SCANNERS

IHRE GEDANKEN KÖNNEN TÖTEN 

Regie + Buch: David Cronenberg / Musik: Howard Shore / Kamera: Mark Irwin / Schnitt: Ronald Sanders / Prod.: Claude Héroux / Ausf. Prod.: Victor Solnicki, Pierre David / SFX: Dick Smith, Chris Walas 

Darsteller: Stephen Lack (Cameron Vale), Patrick McGoohan (Dr. Paul Ruth), Michael Ironside (Darryl Revok), Jennifer O’Neill (Kim Obrist), Lawrence Dane (Keller), Robert A. Silverman (Pierce), Adam Ludwig (Arno Crostic), Lee Broker (Security One), Mavor Moore (Trevellyan) sowie Murray Cruchley, Victor Knight, Fred Doederlein, Géza Kovács, Sony Forbes u.a.

 

SCANNERS war auch wieder einer jener Filme, die eher zu Unrecht als Splatter-Granate aufgepusht worden, denn trotz Vermarktungen wie „Köpfe werden platzen“ läßt sich dieses Frühwerk David Cronenbergs nur schwer in diese blutige Nische pressen. In dieser Hinsicht gibt es nur zwei entscheidende Szenen, die eine zum Anfang, die andere am Ende des Films. Zu Beginn läßt der eiskalt agierende Michael Ironside während einer Demonstration von Scanner-Fähigkeiten scheinbar zum Spaß den Kopf seines Gegenübers zerplatzen. Zum Schluß wehrt sich sein Gegenüber in einem mörderischen Todeskampf, der geradezu biblische Ausmaße annimmt. 

Scanners – das sind Menschen, die sowohl über telepathische als auch telekinetische Fähigkeiten verfügen, mit denen sie nicht nur in der Lage sind, Gedanken zu lesen und anderen Menschen ihren Willen aufzuzwingen, sondern sie auch zu töten. Hervorgerufen wurde diese mentale Missbildung durch das Beruhigungsmedikament Ephamerol, welches einst an Schwangeren getestet wurde. Die Scanners selbst sind kaum in der Lage mit anderen Menschen zusammen zu leben, zu viele Stimmen im Kopf machen es schier unmöglich. Eine Untergrundorganisation hat sich gebildet, angeführt vom aggressiven Darryl Revok (eiskalt: Michael Ironside), der seine übernatürliche Begabung einzig zu Machtzwecken missbraucht. Revok selbst kommt mit den vielen Stimmen in seinem Kopf ganz gut klar, hat er sich doch ein Loch in seine Stirn gebohrt – öfters mal Druck ablassen. Während dessen wird der herunter gekommene Cameron Vale (blass: Stephen Lack), gezeichnet von seinen Fähigkeiten, von dem undurchschaubaren Wissenschaftler Dr. Ruth (der mehrfache COLUMBO-Bösewicht Patrick McGoohan) aufgelesen und mit seiner besonderen Gabe vertraut gemacht. Es brauch halt jemand, der sich gegen Revok stellen kann... 

Mit SCANNERS lieferte David Cronenberg einen seiner bekanntesten Filme ab, ein Film, mit dem er immer wieder in Verbindung gebracht wird und der unübersehbar die Handschrift des Meisters trägt. Doch Vorsicht: SCANNERS ist ein unglaublich düsterer, pessimistischer und dunkler, ja sogar kalter Schocker, der für das gestandene Mainstream-Publikum eher schwer zugänglich sein dürfte, zumal ja die Splatter-Effekte, die man beim Thema „Köpfe zerplatzen lassen“ vermuten könnte, eher rar gesät sind.  

Cronenbergs subtiler, hintersinniger Horrorklassiker spart nicht mit Seitenhieben auf die moderne Medizin und liefert einen bösen Kommentar auf die allmächtige Präsenz pharmazeutischer Konzerne ab. An Aktualität hat SCANNERS nichts verloren, eher hinzugewonnen. Eine düstere Schreckensvision hat der eigenwillige Kanadier hier geschaffen, bei der die adäquate, musikalische Untermalung seines Stammkomponisten Howard Shore und die zwar sparsam eingesetzte, aber umso wirkungsvollere und immer noch sehenswerte Effektarbeit von Dick Smith zusätzliche Glanzlichter schaffen. Letzterer unterstreicht im finalen Endkampf, wenn Cameron Vale und Darryl Revok ihre Scanner-Fähigkeiten bis zum zerplatzen testen, einmal mehr das Aufeinandertreffen zwischen Gut und Böse.

Scanners können jedoch nicht nur in Menschen „eindringen“, ihre Gedanken lesen, die Herzfrequenz beeinflussen und Adern aufquollen lassen. Scanners können noch mehr. In einer Szene klinkt sich Cameron Vale via Telefonleitung direkt in den Computer ein – und das zu einer Zeit, in der das Wort „Computerhacker“ noch erst erfunden werden musste. Cronenbergs „Philosophie des neuen Fleisches“, die Vereinigung von Mensch und Technik, zieht sich wie ein roter Leitfaden durch seine Filme, seien es nun VIDEODROME (1982), DIE FLIEGE (1986), NAKED LUNCH (1991), CRASH (1996) und eXistenZ (1999).

 

 

  • Der Schauspieler und Regisseur Patrick McGoohan spielte König Edward II. in Mel Gibsons BRAVEHART. Michael Ironside, der hier als diabolischer Schurke brilliert, hatte einprägsame Rollen in den beiden Paul-Verhoeven-Krachern TOTAL RECALL (1990) und STARSHIP TROOPERS (1998).  

·        Nach SCANNERS folgten bislang zwei Sequels, die Christian Duguay 1990 und 1991 inszenierte. Des weiteren schickte Produzent Pierre David, der auch in DIE BRUT (1979) und VIDEODROME mit Cronenberg zusammen arbeitete, mit SCANNER COP I & II (1993/1994) zwei Ableger ins Rennen. 

·        „Ein provokantes Skript, gepaart mit guten schauspielerischen Leistungen, stellt wiederum David Cronenbergs Improvisation unter Beweiß.“ (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN) 

  • „Kanadas Exportschlager Nr. 1 in Sachen Blut und Gewalt hat mit SCANNERS einen weiteren intelligenten und harten Körper-Horror auf die Menschheit (d.h. den Kinogänger) losgelassen.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)

SCANNERS erschien zusammen mit den anderen beiden Teilen als 3 DVD Limited Edition in einer schön gestalteten Metallbox mit Limitierungsnummer, leider ohne jegliche Extras, von ein paar Filmografien mal abgesehen 

Anbieter: Warner / Black Hill

Ton: Deutsch & Englisch in DD 2.0 Mono

Bild: 1,85:1 (16:9, anamorph)

Untertitel: keine

TV-Norm: PAL

Regionalcode: 2

Verpackung: Metallbox

Laufzeit: 98 Min. (uncut)

Freigabe: keine Jugendfreigabe

Extras: Filmografien (Cronenberg, Ironside, O’Neill, McGoohan)

Wie sich leider herausstellte, ist bei einem Teil der Kaufversion von SCANNERS II eine gekürzte Fassung in den Handel gelangt. Black Hill startete jedoch eine Rückrufaktion, bei der man die gekürzte Version gegen die ungekürzte eintauschen kann. Siehe auch Besprechung zu SCANNERS II – EINE NEUE GENERATION. 

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Aktualisiert ( Montag, den 07. Mai 2007 um 23:09 Uhr )