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Flucht aus L. A.
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Veröffentlicht in : Filme, F

F L U C H T    A U S    L.  A.

 „Die Zeit war reif für Snake“ (John Carpenter)

 

USA 1996 / O: „Escape from L. A. / Prod.: Rysher Entertainment für Paramount Pictures / Länge: 101 Min. / FSK: ab 16 

Regie: John Carpenter / Musik: John Carpenter, Shelley Walker / Kamera: Gary B. Kibbe / Schnitt: Edward A. Warschilka / Prod.: Debra Hill, Kurt Russell / Buch: John Carpenter, Debra Hill, Kurt Russell / Make-up-Effekte: Rick Baker 

Darsteller: Kurt Russell (Snake Plissken), Steve Buscemi (Map to the Stars Eddie), Stacy Keach (Malloy), Cliff Robertson (President), Michelle Forbes (Brazen), Valeria Golino (Taslima), A. J. Langer (Utopia), George Corraface (Cuervo Jones), Peter Fonda (Pipeline), Bruce Campbell (Surgeon General of Beverly Hills), Pam Grier (Hershe Las Palmas), Peter Jason (Duty Sergeant), Paul Bartel (Congressman), Robert Carradine (Skinhead), Leland Orser (Test Tube), Jeff Imada (Saigon Shadow), Breckin Meyer (Surfer) sowie Ina Romeo, Jordan Baker, Caroleen Feeney, Tom McNulty, Shelly Desai, William Pena u.a.

 

Von vielen totgesagt und abgeschrieben feilte John Carpenter schon seit Jahren an seinem Comeback, das sich aber dank diverser kommerzieller und künstlerischer Misserfolge einfach nicht einstellen wollte. Egal ob nun die fade JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN, dem gelungenen Episoden-Horror BODY BAGS, den zu Unrecht verschmähten DIE MÄCHTE DES WAHNSINNS oder dem lauen Remake DAS DORF DER VERDAMMTEN: Mit keinem dieser Spätwerke wollte es Carpenter gelingen, an frühere Glanzpunkte anzuknüpfen. Als allerletzter Notnagel blieb da nur noch die Fortsetzung zu einem seiner bekanntesten und Weg weisendsten Werke zu inszenieren: ESCAPE FROM NEW YORK (1981). DIE KLAPPERSCHLANGE, wie er seltsamerweise hierzulande betitelt wurde, war bei seinem Erscheinen neben MAD MAX einer der Prototypen des Endzeitfilms, der eine ganze Reihe an (meist untalentierten) Filmemachern zu apokalyptischen Endzeitvisionen inspirierte. Zur Erinnerung: Kurt Russell machte sich darin als wortkarger Anti-Held Snake Plissken auf die Suche nach dem US-Präsidenten, der mit seinem Jet im Ghetto Manhattan, mittlerweile eine Gefängnisinsel, abstürzte. DIE KLAPPERSCHLANGE war mit ihrem anarchistischem Touch in jeder Hinsicht ein Meisterwerk; düster, dreckig und zynisch, eine bitterböse, rabenschwarze Zukunftsvision mit einer herrlichen Schlusspointe oben drauf. 15 Jahre nach diesen Ereignissen siedelt Carpenter sein Sequel ESCAPE FROM L. A. an:

 

Nach einem großen Erdbeben ist Los Angeles eine vom Festland abgetrennte Insel, die der US-Regierung als eine Art Alcatraz dient. Ein Hochsicherheitsgefängnis und zugleich Sammelbecken für jede Menge Ausgestoßene, Verbrecher und Mörder. Dorthin verschlägt es auch Snake Plissken, der im Auftrag des US-Präsidenten (Cliff Robertson) eine Geheimwaffe wieder besorgen soll, die ihm seine rebellische Tochter (A. J. Langer) unter den Händen stibitzte. Von Malloy (Stacy Keach) und Brazen (Michelle „Ro Laren“ Forbes), zwei Agenten, die unter der Fuchtel der Regierung stehen, erhält er den Auftrag, die geheimnisvolle Box, in der die Waffe lagert, wieder zu beschaffen und die Präsidententochter zu exekutieren. Und wieder muß er gegen die Zeit ankämpfen, denn diesmal wurde ihm ein tödliches Serum verabreicht, dessen Gegengift nur bei Erfüllung des Auftrags verabreicht wird...

Was zu befürchten war: ESCAPE FROM L. A. ist mehr ein Remake als eine Fortsetzung, da sich die Storys beider Filme mehr als nur ähneln. Carpenter bemerkte dazu: „Es gibt wichtige Unterschiede: L. A. ist kein Gefängnis wie Manhattan, sondern der letzte Ort der Freiheit, und Snake soll niemanden retten, sondern die Präsidentochter umbringen. Der Retter wird zum Attentäter.“ Das ist auch richtig, denn hier ist die US-Regierung derart politisch korrekt, daß von Amerika, dem (angeblichen) Land der unbegrenzten Möglichkeiten, nicht mehr viel übrig ist: Rauchen, Alkohol und vorehelicher Sex sind strengstens verboten. Also alles, was Spaß macht. So mag L. A. wirklich der letzte Ort der Freiheit sein. Das hätte die Ausgangsidee zu einer hintergründigen Film-Utopie werden können, doch leider beschränkte sich Carpenter auf’s uninspirierte Herunterkurbeln gängiger Actionszenen. War der erste Teil eine düster-dreckige Endzeitvision, so mutet das Sequel wie ein grell-buntes Spektakel mit peinlich-billigen Effekten an. Im Prinzip wird die Geschichte des Vorgängers einfach noch mal nach erzählt, daß, was so viele Fortsetzungen machen. Was 1981 wirklich originell und spannend war, ist 15 Jahre später in dieser Form einfach nur noch altbacken. Es hat sich ausgeklappert. ESCAPE FROM L. A. ist keine Fortsetzung, sondern vielmehr ein billiger Abklatsch. Wie in einer faden Nummernrevue hechelt Carpenter von einer Sensation zur nächsten: Da ein Erdbeben, dort eine Jagd im High-Tech-U-Boot. Mal gerät Snake Plissken in die Fänge des hinterhältigen Taxifahrers Eddie (Steve Buscemi), dann in die eines durchgeknallten Schönheitschirurgen (Bruce Campbell als einsamer Höhepunkt) oder des diabolischen Rebellenführers Cuervo Jones (George Corraface), in dessen Kampfarena er zu seinem Vergnügen mörderische Sportarten ausüben muß. Zwischendurch trifft der mehr chargierende als agierende Russell noch auf die Tunte Hershe (Pam Grier) und einem coolen Hippie-Surfer (Peter Fonda, der seine EASY RIDER-Vergangenheit auf die Schippe nimmt). ESCAPE FROM L. A. unterhält zwar und macht als Sonntagnachmittag-Zeitvertreib Spaß, doch der erhoffte Kultfilm blieb aus. Und das Comeback des John Carpenter. 

  • Return of the Living Dead: Nach 15 Jahren schlüpfte Kurt Russell erneut in seine Paraderolle. Neben ESCAPE FROM NEW YORK war er auch in der Biografie ELVIS – THE KING, dem phantastischen Remake THE TING und in BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA unter Carpenter’s Regie zu sehen. Im Gegensatz zum unübertroffenem Original wirkt seine Coolness einstudiert und gekünstelt, seine röchelnde Machostimme nervt. Zusammen mit John Carpenter und dessen langjähriger Produzentin Debra Hill schrieb er auch am Drehbuch mit.  

  • Steve Buscemi ist einer der vielbeschäftigsten Mimen: Der Kult-Schauspieler und Independent-Star brillierte in diversen Filmen der Coen-Brüder (MILLER’S CROSSING; BARTON FINK; FARGO), glänzte als Mr. Pink in Tarantino’s RESERVOIR DOGS; spielte in Robert Rodriguez’ DESPERADO und Robert Altman’s KANSAS CITY und gab mit TREES LOUNGE  sein gefeiertes Regiedebüt. Im Actionkracher CON AIR brachte er als irrer Hannibal-Lecter-Verschnitt das Publikum zum Toben. 

  • Viele Altstars wurden reanimiert: Stacy Keach (MIKE HAMMER), Cliff Robertson (DIE DREI TAGE DES CONDOR), Peter Fonda (LOVE AND A. 45) und Pam Grier (FOXY BROWN; JACKIE BROWN), die auch in Carpenters gruseligem Weltraumabenteuer GHOSTS OF MARS mit von der Party war. Das Carpenter-Stammpersonal Peter Jason (DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT) und Robert Carradine (BODY BAGS) sowie Leland Orser (ALIEN: DIE WIEDERGEBURT) und der 2000 verstorbene Paul Bartel (EATING RAOUL) gibt es in weiteren Nebenrollen zu entdecken. 

·         „Carpenter & Co. behalten das dramaturgische Gerüst des Vorgängers bei, variieren jedoch zahlreiche Details – und verwandeln den ehemals kompakten Genrestoff in eine pompöse und spektakuläre, vor allem aber alberne Nummernrevue.“ (Frank Schneller, TIP) 

  • „John Carpenter klaut bei sich selbst: schablonenhaftes Remake der „Klapperschlange“ (CINEMA)  

  • „Mit ESCAPE FROM L. A. beweist John Carpenter einmal mehr, daß er zu den wenigen Genre-Genies gehört und meldet sich zudem eindrucksvoll im großen Kino zurück. (Uwe Raum-Dainzer, MOVIESTAR)  

  • „Unübersehbare parodistische Elemente werden zwischen kostspieligen Äußerlichkeiten und stereotypen Actionmustern erstickt. Ein Film, der der Fantastik seines Entwurfs nur augenblicksweise gerecht wird.“ (FILMDIENST) 

  • „Enttäuschender Neuaufguss, dem der Charme und Witz des Originals größtenteils fehlt.“  (TV SPIELFILM)  

  • „Dem futuristischen Action-Adventure fehlt die düstere Atmosphäre, die den Vorgänger auszeichnete, völlig. Regisseur Carpenter setzt (in seiner 18ten Regiearbeit) auf kommerzträchtige Komponenten wie launige Action, flotte Sprüche und kuriose Details. Klar ist, daß Carpenter mal wieder an einem Karrieretiefpunkt angelangt ist.“ (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN) 

  • „Dennoch ist es Carpenter auch diesmal wieder gelungen, Atmosphäre zu kreieren und seine geliebten Western-Motive mit einzubringen.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
   

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