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Re-Animator
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Veröffentlicht in : Filme, R

RE-ANIMATOR

 „Seine Intelligenz ist äußerst fragwürdig. Er ist ein Krebsgeschwür. Er ist respektlos, verbreitet Lügen über den Lehrkörper. Ich halte ihn für geisteskrank ... gefährlich...“ (Dr. Carl Hill über Herbert West) 

USA 1985 / O: „Re-Animator“ / AT: „Re-Animator – Der Tod ist erst der Anfang“ / Prod.: Empire Pictures 

Regie: Stuart Gordon / Musik: Richard Band / Kamera: Mac Ahlberg / Schnitt: Lee Percy / Ausf. Prod.: Michael Avery, Bruce William Curtis / Prod.: Brian Yuzna / Buch: Dennis Paoli, William J. Norris, Stuart Gordon, basierend auf H. P. Lovecrafts „Herbert West – Re-Animator“ / FX: Anthony Doublin, John Naulin, John Carl Buechler

Darsteller: Jeffrey Combs (Herbert West), Bruce Abbott (Dan Cain), Barbara Crampton (Megan Halsey), Robert Sampson (Dean Halsey), David Gale (Dr. Carl Hill), Carolyn Purdy-Gordon (Dr.Harrod), Gerry Black (Mace), Ian Patrick Williams (Schweizer Professor), Bunny Summers (Schweizer Doktor), Al Berry (Dr. Gruber), Peter Kent (Melvin, der Re-Animierte), Barbara Pieters (Schwester) sowie Derek Pendleton, Gene Scherer, James Ellis, James Earl Cathay u.a.

 

„Was ist Ihr Spezialgebiet?“, fragt Medizinstudent Dan Cain (Bruce Abbott) diesen wenig Vertrauen erweckenden, bebrillten Sonderling, den Dekan Halsey (Robert Sampson) als Herbert West (Jeffrey Combs in der Rolle seines Lebens) vorstellt. Die Antwort auf seine Frage sollte ihn in Zukunft noch des öfteren beschäftigen: „Der Tod.“ Herbert West, der eher den Eindruck eines Leichenbestatters als den eines Arztes hinterlässt, kommt direkt aus der Schweiz an die Universität von Arkham, Massachusetts. Dort arbeitete er mit dem renommierten Dr. Gruber, der unter ziemlich seltsamen Umständen aus dem Leben schied, zusammen und entwickelte nach jahrelanger Forschungsarbeit ein Serum, mit dem er Tote ins Leben zurück holen will. 

„Es war ihm wirklich ein paar Mal gelungen, bei scheinbar toten Tieren Lebensregungen hervorzurufen, in vielen Fällen sogar sehr heftige, aber er sah bald ein, daß die Vervollkommnung dieses Prozesses, falls er wirklich durchführbar war, notwendigerweise lebenslängliche Forschungsarbeit erfordern würde“* 

Dan Cain kommt Herbert West sehr gelegen, schließlich hat er Zugang zu gewissen Räumlichkeiten. Kurz gesagt: er braucht eine frische Leiche. Bald hat er zwei davon – als Dekan Halsey unerwartet in ihr verhängnisvolles Experiment hineinplatzt und von einem frisch Reanimierten ins Jenseits befördert wird. Wests euphorisierendes Serum kann ihn zwar ins Leben zurückholen, doch leider ist er nicht mehr der selbe danach. Das weckt wiederum das Interesse des elenden Dr. Carl Hill (herrlich fies: David Gale), der scharf ist auf Halseys Tochter Megan (Barbara Crampton), die aber schon ein Verhältnis mit Dan hat. Hill klaute bereits Grubers Ideen und machte mit ihnen Karriere, dasselbe hat er mit Wests Forschungen vor, von denen er ungemein beeindruckt ist. Er sucht Herbert West auf und erpresst ihn. Dr. Carl Hill wird erschlagen und wieder belebt, von nun an leben der Kopf und der Rest seines Körpers getrennt voneinander. Was zwar ein Grund, aber kein Hindernis ist: Im Tod, da, wo noch so vieles möglich ist, kann er all seine Hemmungen ablegen und das tun, wonach ihm schon immer gelüstete... 

„Mit Haeckel einer Meinung, daß alles Leben ein chemischer und physikalischer Prozess sei und daß die sogenannte „Seele“ eine Mythe ist, glaubte mein Freund, daß die künstliche Wiedererweckung eines Toten vom Zustand seines Körpergewebes abhinge und daß, solange die tatsächliche Verwesung noch nicht eingesetzt habe, ein Körper, der im Besitz all seiner Organe ist, mit entsprechenden Maßnahmen wieder funktionsfähig gemacht werden könne, in der ihm eigentümlichen Art, die wir Leben nennen.“* 

Es ist schon bezeichnend, daß Lovecraft seine Geschichten um den Wiedererwecker Herbert West selbst nie so recht mochte, obwohl gerade sie zur Ausgangsbasis für einige seiner besten und werkgetreusten Verfilmungen wurden. So wie Wests euphorisierendes Serum Leichen munter macht, so gab RE-ANIMATOR, dank brillanten Einfällen, blutigen Splatter-Effekten und Humor, so schwarz wie Nacht, dem Horrorfilm der 80er Jahre neuen, brodelnden Lebenssaft. Auch heute noch hat Gordon’s Film nichts von seinen Qualitäten verloren, so das sich andere Genre-Kollegen mit der Zombie-Thematik an ihm messen lassen müssen.

RE-ANIMATOR ist ein durchtriebener, ausgelassener und ausufernder Unfug zwischen verrücktem Theater und absurder Komik, morbider Faszination und blankem Entsetzen. Nicht umsonst wurde Gordon sogar beim Spießerfestival in Cannes mit einem Sonderpreis geehrt, weil es ihm gelang, „Gewalt, Humor, Erotik und Abscheulichkeiten auf eine kunstvolle Art zu vereinen“. Man kann gar nicht alle blutigen Konsequenzen aufzählen, die auftreten werden, wenn Herbert West seine Spritze mit dem dämonisch-grün schimmernden Serum ansetzt: Körperteile, die ein seltsames Eigenleben entwickeln, zornige Zombies, die einem aus der Ecke anspringen, tote Katzen, die fauchend durch die Nacht fliegen, Därme, die blitzschnell aus völlig zerschundenen Körpern sausen und zum Schluss mehr Reanimierte, als Herbert West geplant hat. Nicht zu vergessen: Dr. Hill, der mit seinem abgetrennten Kopf in der Hand die große Untoten-Revolution plant und eben diesen zwischen die Beine von Barbara Crampton schiebt. Wovon er offenbar schon immer träumte. Im Tod können Träume Realität werden. 

„Das Chaos unbeschreiblicher Töne hätte nicht unsagbarer sein können, wenn der Höllenschlund selbst sich aufgetan hätte, um die Seelenängste der Verdammten loszulassen, denn in einer unvorstellbaren Kakophonie konzentrierte sich all das überirdische Grauen und die ungeheuerliche Verzweiflung der beseelten Natur.“* 

Stuart Gordon merkt man deutlich seine Theater-Herkunft an, läßt er seinen Film doch immer nur in wenigen Kulissen (neben dem Pathologiesaal im Hospital ist es der Keller unterm Haus, wo West die Katze widerbelebt und Hill tötet) spielen, was sicherlich auch mit dem Budget zusammen hing. Doch aus der Not kann man ja bekanntlich eine Tugend machen. Gerade dadurch entsteht eine äußerst beklemmende, dichte Atmosphäre, die RE-ANIMATOR, wie später auch FROM BEYOND (1986), zu eine Art Horror-Kammerspiel werden läßt. Getragen wird RE-ANIMATOR aber auch von Schauspielern, die ihre Berufsbezeichnung mit recht tragen, was ja in diesem Genre leider nicht immer der Fall ist. Allen voran der wunderbare Jeffrey Combs, der danach noch des öfteren mit Stuart Gordon und Brian Yuzna kollaborieren sollte, und als Herbert West die ideale Besetzung dieses besessenen, übereifrigen und dunklen Charakters ist. Nicht umsonst sollte ihm dieses Rolle den Weg ins Horrorgenre, dem er bis heute treu geblieben ist, ebnen. Bis heute hat Jeffrey Combs nichts von seinem Charisma und seiner Wandlungsfähigkeit verloren, wie sein genialer Auftritt als komplett durchgeknallter FBI-Agent Milton Dammers in Peter Jacksons zu Unrecht gefloppten THE FRIGHTENERS (1996) und seine zahlreichen STAR TREK-Engagements beweisen. Damit kann er selbst den unmöglichsten Billigfilmchen noch etwas positives abgewinnen, auch wenn er dort freilich manchmal unter Wert verkauft wurde.

Nicht unerwähnt lassen sollte man den herrlichen Soundtrack von Richard Band, dem Bruder von Empire-Pictures-Boss Charles Band, der mit seinem fetzigen Titelthema frech Bernard Herrmanns berühmte PSYCHO-Musik coverte. Angeblich sollte im Abspann noch ein Dankeschön erscheinen, doch man hatte es schlichtweg vergessen. 

„In der nächsten Nacht tanzten Teufel auf den Dächern von Arkham, und der Wind heulte mit unnatürlichem Wahnsinn. Durch die fiebernde Stadt schlich verstohlen ein Fluch, von dem manche behaupten, er sei schlimmer als die Seuche, und von dem einige sich zuflüsterten, daß er die verkörperte Teufelsseele der Seuche selbst sei.“* 

  • Everybodies Darling Jeffrey Combs sollte in Zukunft zum Stammschauspieler in den Filmen von Stuart Gordon und Brian Yuzna avancieren; es ist immer wieder erfreulich, wenn sie ihn in ihren Projekten einsetzen. Unter Gordons Regie war er danach in FROM BEYOND (1986), einer weiteren hervorragenden Lovecraft-Adaption, zu sehen gewesen. Danach kamen noch ein Mini-Auftritt in ROBOTJOX (1989), die Edgar-Allen-Poe-Verquickung MEISTER DES GRAUENS (1990), der Dark-Future-Film FORTRESS (1992), das Horrordrama CASTLE FREAK (1994) und ein schräger Gastauftritt im kontroversen David-Mamet-Stück EDMOND (2005) dazu. Sehr vielversprechend klingt Stuart Gordons Beitrag zur 2. Staffel von MASTERS OF HORROR: In der Episode „The Black Cat“ (2006) tritt Jeffrey Combs als Edgar Allen Poe auf! Mit Regisseur und Produzent Brian Yuzna drehte er nicht nur die Fortsetzungen BRIDE OF RE-ANIMATOR (1989) und BEYOND RE-ANIMATOR (2003): In der eher nervigen Klamotte MUTRONICS (1991), wo er wieder mit David Gale zusammen traf, veräppelte er sein Image als Herbert West, während er in der enttäuschenden Comicverfilmung FAUST – LOVE OF THE DAMNED (2001) als Polizist zu sehen war. Und da Combs der Schauspieler sein dürfte, der in den meisten Lovecraft-Adaptionen mit dabei war (an dieser Stelle sei auch der mäßige LURKING FEAR von 1994 genannt), wurde ihm 1994 die Ehre zuteil, im Anthologiestreifen H. P. LOVECARFTS NECRONOMICON den Schreckensmeister der Horrorliteratur höchstpersönlich darstellen zu dürfen. Scream Queen Barbara Crampton war auch in FROM BEYOND und CASTLE FREAK wieder seine Filmpartnerin. 

  • Bruce Abbott als Wests Partner Dan, dessen Leben völlig aus den Fugen gerät, war später u.a. in BAD DREAMS (1988), Robert Kurtzmans THE DEMOLITIONIST (1995) und THE PROPHECY II (1998) zu sehen. Der 1991 verstorbene David Gale wirkte, wiederum als Mad Scientist, in Monsterfilmchen wie THE BRAIN (1988), SYNGENOR (1990) und MUTRONICS (1991) mit. Seine letzte Rolle hatte er in Blake Edwards’ SWITCH (1991) – als Doktor. 

  • Die dicke Bunny Summers, die im Prolog die Schweizer Ärztin spielt und einen Schreck bekommt, als sie sieht, was Herbert west mit dem armen Dr. Gruber angestellt hat, spielte in Gordons Nachfolger FROM BEYOND (1986) die neugierige Nachbarin, die Jeffrey Combs erneut bei bizarren Experimenten überrascht.  

  • Die wuschelköpfige Ärztin mit fieser 80er-Jahre-Brille ist im übrigen die Ehefrau von Stuart Gordon, der die Marotte hat, sie in seinen Film umbringen zu lassen: In FROM BEYOND saugt ihr Jeffrey Combs das Gehirn aus, in DOLLS (1987) wird sie von Killerpuppen abgemurkst und in MEISTER DES GRAUENS ließ er sie auspeitschen. Das nenn ich wahre Liebe. 

  • „Die geistreiche und energiegeladene Lovecraft-Adaption begeistert mit Einfallsreichtum, skurrilen Gags und guten Darstellern.“ (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN) 

  • „Die düstere, morbide und klaustrophobische Atmosphäre des Films kontrastiert zum einen mit knallharten Splatter-Effekten, die das Herz des Fans höher schlagen lassen, und anderseits mit einem Schuss schwarzen Humor, die in der parodierenden Darstellung der Figur des Wissenschaftlers unübersehbar ist.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR) 

  • „Ein blutiger Klassiker des schwarzen Humors.“ (TV SPIELFILM) 

  • „Stuart Gordons außerordentliches Talent liegt darin, wie er das schlichte Dozieren anderer Splatterfilme zu einem schwarzhumorig wissenden, mit überzeugenden Schauspielerleistungen ausgestatteten Blutspiel verfeinert.“ (HEYNE FILMJAHRBUCH 1989) 

  • „RE-ANIMATOR hat zwar seinen Genrepartnern gegenüber eindeutige Vorteile, doch ist er nach allem, was das Splatterkino in den achtziger Jahren auf die Leinwand gebracht hat, lediglich ein weiterer Teil der „Rückkehr der lebenden Doofen.““ (Ronald M. Hahn & Volker Jansen, LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)

  

Anbieter: Laser Paradise / TV-Norm: PAL / Verpackung: Keep Case (Amaray) / Regionalcode: 2 / Freigabe: ungeprüft / Anmerkung: Diese DVD ist indiziert und dürfte in dieser Form im Handel nicht erhältlich sein. Auf diverse heruntergeschnittene und verstümmelte Kaufhaus-Ramschversionen (FSK: ab 16) sollte man getrost verzichten! 

Enthält den Unrated Director’s Cut (Bild: 1,85:1, nicht anamorph, Ton: englisch in DD 2.0 Mono, Laufzeit: 86 Min.) und den dt. integralen Cut (Bild: Vollbild 4:3, Ton: deutsch in DD 2.0 Mono, Laufzeit: 103 Min., einige Stellen wurden nicht synchronisiert)

Zu empfehlen ist natürlich der leider nur englischsprachige Director’s Cut, da die (längere) dt. Fassung in Sachen Bild und Ton ungeniessbar ist. Sämtliche zusätzliche R-Rated-Szenen (hauptsächlich Dialog- und Handlungssequenzen) wurden in die dt. Version integriert, daher die längere Laufzeit. Trotzdem sollte man darauf verzichten, da die Qualität (man hat einfach das olle VHS-Video von JPV überspielt) dem DVD-Zeitalter nicht entspricht und man sich nur den Spaß am Film verdirbt.

Extras:

  • 2 Audiokommentare in der Unrated Fassung, der eine mit Stuart Gordon, der   andere mit Jeffrey Combs, Bruce Abbott, Barbara Crampton, Robert Sampson und Brian Yuzna
  • 16 zusätzliche R-Rated-Szenen, die außerdem in die dt. Version integriert wurden
  • Kinotrailer (2 Min.), Promo-Trailer und 2 TV-Spots
  • Deleted Scene (Dream Sequenz, ca. 2 Min.)
  • Booklet

 

 *aus H. P. Lovecrafts „Herbert West – Re-Animator“

 

   

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