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DIE KLASSE VON 1984 „Im letzten Jahr wurden an amerikanischen High Schools 280 000 Gewalttaten von Schülern an ihren Lehrern verübt. Unglücklicherweise basiert dieser Film auf wahren Begebenheiten. Glücklicherweise gibt es nur wenige Schulen wie die „Lincoln High“ ... jedenfalls im Augenblick.“ CDN 1982 / O: „Class of 1984” / Prod.: American World Pictures Regie: Mark L. Lester / Musik: Lalo Schifrin, Titelsong: Alice Cooper / Kamera: Albert J. Dunk / Schnitt: Howard Kunin / Ausf. Prod.: Mark L. Lester, Merrie Lynn Rose / Prod.: Arthur Kent / Buch: Mark L. Lester, Tom Holland, John Saxton / Story: Tom Holland Darsteller: Perry King (Andy Norris), Roddy McDowall (Corrigan), Timothy Van Patten (Stegman), Michael J. Fox (Arthur), Merrie Lynn Rose (Diane Norris), Al Waxman (Detective Stewiski), Stefan Angrim (Drugstore), Lisa Langlois (Patsy), David Gardner (Morganthau), Keith Knight (Barnyard), Neil Clifford (Fallon), Erin Flannery (Deneen), Steve Pernie (Rejack) sowie Robert Reece, Joseph Kelly, Elva Mai Hoover, Vincent Abbatino, Evan Green, Linda Sorenson, Claude Rae u.a. Andy Norris (Perry King), ein junger, idealistischer Musiklehrer, kommt neu an die Abraham Lincoln High School, wo er gleich mit dem rauen Schulalltag in der Großstadt konfrontiert wird: Waffenkontrolle am Eingangsbereich, Flure und Klassenzimmer, die von Videokameras überwacht werden, patrouillierende Sicherheitskräfte und Lehrer, die sich nur noch mit der Pistole im Aktenkoffer zum Unterricht trauen. Nützt alles nix: eine brutale Jugendgang unter der Führung des leicht psychopathischen Stegman (Timothy Van Patten) hält die Schule in Schach und das Drogengeschäft floriert auch ganz prächtig. „Der Unterricht ist etwas, was sie nebenbei erledigen müssen“, trichtert der hilflose Schuldirektor Norris ein. Dagegen wirken deutsche Schulen wie ein Hort des Friedens und der Harmonie. Alle Versuche von Norris, die Wogen zu glätten, schlagen fehl. Es kommt alles noch viel schlimmer, bis die Situation eskaliert: Biologielehrer Corrigan (hervorragend: Roddy McDowall) läuft Amok, während die Stegman-Gang Norris’ schwangere Frau kidnappt und vergewaltigt. Der Unterricht hat begonnen.
Der blutig-brutale Reißer ist als sozial- und gesellschaftskritische Studie kaum zu gebrauchen und wenn doch, dann nur der Film an sich mit all seinen Auswirkungen. Geradezu dreist ist die vorangestellte Behauptung, das alles würde auf wahren Begebenheiten beruhen, womit es mal wieder auf eines hinausläuft: blanke Effekthascherei. Da hat es sich Regisseur und Co-Autor Mark Lester (Stephen King's DER FEUERTEUFEL, 1984) ziemlich einfach gemacht und lässt alle bösen Jungs und Mädels wie Punks aussehen, damit sie offenbar leicht auszumachen sind. Besondere Aufmerksamkeit verdient Bandenführer Stegman: auf der Straße und in der Schule gibt er die großmäulige Radautüte, während er zu Hause auf der Couch als Mamas Liebling alles in den Arsch gesteckt bekommt. Subtilität ist nicht unbedingt Lesters Stärke. Man kann DIE KLASSE VON 1984 ungeniert als hohl bezeichnen, aber noch hohler war die verkorkste Ansicht eines Schreiberlings im damaligen Kinomagazin „Guckloch“: „Wenn der vorher so gepeinigte Lehrer mit der Eisenstange, dem Schweißbrenner oder anderen Kleinigkeiten zurückdrischt, wird er mit Sicherheit vor der Leinwand stürmisch angefeuert, so „toll“ hat Lester hier sein Image aufgebaut. Und sind wir nach dem Kino wieder auf der Straße, kriegt der nächste Punk was auf die Fresse, denn so ein Aussehen können wir uns nicht bieten lassen. Der Film – als Anleitung zum Faschismus.“ Der Vorwurf des Faschismus prallt auf den debilen Kritiker-Knecht, der diese unsinnigen Zeilen offenbar im Alkoholrausch verfasste, zurück. Es ist die verklärte Bestätigung eines eindimensionalen Weltbildes, die alte, plumpe Leier von schrecklichen Filmen, die für den schrecklichen Zustand dieser Welt verantwortlich sind... Die Filme, oh ja, diese Filme – man kann es nicht mehr hören. Der werte Kritiker soll doch froh sein, dass es sie gibt, kann er sie doch für all den Mist auf dieser Welt verantwortlich machen. Punks was auf die Fresse hauen – so ein Unsinn! Diejenigen, die nach DIE KLASSE VON 1984 tatsächlich gewillt sind, Punks zu verdreschen, haben schon vor dem Film ein Rad abgehabt, dazu brauchen sie keine Filme. Also, wenn der Herr Kritiker randalierende, vergewaltigende, mordende und Drogen konsumierende Jugendliche mit Punks gleichsetzt, kann man schon von einem beschränkten Weltbild sprechen. Andersrum könnte man auch Mark Lester diesen Vorwurf machen: warum sehen die Verbrecher denn wie Punks aus? Wessen Weltbild ist nun beschränkter? Das des Kritikers oder das der Filmemacher? Oder das Weltbild des einen oder anderen Zuschauers, der nach Filmende eben diese randalierenden, vergewaltigenden, mordenden und Drogen konsumierenden Jugendliche tatsächlich mit Punks assoziiert? Ein Film kann sein Publikum nicht heraus suchen. Was ist, wenn ihn sich die falschen Leute ansehen? Das Problem, das jeder Film hat, wurde auch der Emotionsfalle DER UNTERGANG zum Verhängnis. Lassen wir uns nicht so sehr von Äußerlichkeiten blenden. Mengele hatte auch ’nen weißen Kittel an und ist doch kein Arzt gewesen. Wo wir schon mal beim Thema Faschismus sind. Diskussionsträchtig bleibt DIE KLASSE VON 1984 ohne Frage, reiht er sich doch in die Liste der berühmt-berüchtigten Selbstjustizfilme á la EIN MANN SIEHT ROT oder ICH SPUCK’ AUF DEIN GRAB ein. Wie ist das nun mit den Gewalt verherrlichenden Filmen? Diese Debatten werden wohl nie enden. Aber wenn ein Kino-Magazin von der Annahme ausgeht, dass die Zuschauer gewillt sind, nach dem Ende des Films Punks zu verdreschen, grenzt das an Nötigung und zeigt, wie einige anstudierte Journalisten die Kinobesucher unterschätzen. Ich weiß es nicht wirklich, aber ich bezweifle, dass nach dem Erscheinen von CLASS OF 1984 Punks verkloppt wurden. Kritiker sehen manchmal auch rot. Außerdem: Man kann den gepeinigten Lehrer auch anfeuern, ohne hinterher Punks auf der Straße eine auf die Fresse zu hauen. Ansonsten kann man dem Film eines attestieren: Pädagogisch wertlos. DIE KLASSE VON 1984 fand ich persönlich gar nicht so klasse. Als Zeichen seiner Zeit ist Lesters's Film nicht gänzlich uninteressant: Der Schrecken der Realität hat ihn längst eingeholt. - Stegman-Darsteller Timothy Van Patten, Halbbruder von Dick Van Patten, beschränkte sich auf die Regiearbeit und inszenierte u.a. mehrere Folgen von SEX AND THE CITY und THE SOPRANOS. Zur Jugendgang gehört auch Lisa Langlois an, die in DAS NEST (1988) eine rücksichtslose Forscherin verkörperte. In einer frühen Nebenrolle kann man den jungen Michael J. Fox entdecken – ganz der Milchbubi. Al Waxman, der den desinteressierten Detektiv spielt, kennen 80-Jahre-Krimiserienfans als Lt. Bert Samuels aus CAGNEY & LACEY (1981-88). Heimlicher Star aber ist der unvergessene Roddy McDowall als zynischer, resignierter Biologielehrer, der den alltäglichen Horror nur bewaffnet und mit einem kräftigen Schluck aus der Pulle übersteht – und daran scheitert.
- Co-Autor Tom Holland machte sich später vor allem als Regisseur von FRIGHT NIGHT (1985, mit Roddy McDowall), CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE (1988) und den beiden Stephen-King-Verfilmungen THE LANGOLIERS (1995) und THINNER (1996) einen Namen.
- „Obwohl sich der Film in den ersten beiden Dritteln ganz klar auf dem Krimi- bzw. Actionsektor bewegt, schlägt er doch unversehens in eine Tour de Force des Terrors um, als Perry King in der Rolle des „Neuen“ die Vergewaltigung seiner Frau blutig rächt. Ab dem Moment geht es zu wie in einem ultra-harten Splatterfilm: Es wird verstümmelt und gemordet, was das Latex und Filmblut hergibt.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
- „Exploitation, sowie Versatzstücke bekannter Genrebeiträge, bestimmen den Plot. (...) Höhepunkt bildet das Schlussdrittel, in dem viele blutige Szenen geboten werden.“ (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN)
- „Der zynische Film, bar jeglichen moralischen Anspruchs, versucht seine Botschaft, daß auf Mord und Terror nur mit Mord und Terror geantwortet werden könne, auf besonders perfide Weise zu vermitteln.“ (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)
Unter den zahlreichen, oftmals gekürzten Video- und DVD-Veröffentlichungen sticht besonders die auf 3000 Stück limitierte, in der großen Buchbox erhältliche „Yaerbook Edition“ des österreichischen Anbieters XT Video hervor. Das Bild ist klar und vor allem: der Film selbst absolut ungeschnitten. Anbieter: XT Video / Laufzeit: 93 Min. / FSK: ungeprüft / Regionalcode: 2 / Bild: 1,85: 1 (anamorph 16:9) / Ton: deutsch + englisch jeweils in Dolby Digital 5.1 und 2.0 (Dolby Surround) / Untertitel: keine / Extras: Audiokommentar, Vorwort und Interview mit Mark L. Lester (Mailand 2003), „La Vie En Rose“ (Originalinterview mit Mark L. Lester), 3 Trailer, Slideshow, Kinoaushangfotos, japanisches Presseheft, Filmografien, Artwork & Promotion und ein 20seitiges Begleitheft
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Einer der besten Filme EVER!!
Geschrieben von: captnhanky am 28-10-2008 17:04
Spitzenmässige Unterhaltung und man bekommt das Gefühl in dieser Scheisskultur auch als Erwachsener was sinnvolles zu tun: zu Lehren und zu Kämpfen für seine Familie.