THE SIGHT
„Diese Welt ist nicht ganz so wie sie denken.“ (Margaret Smith zu Michael Miller)
USA 2000 / O: „The Sight“ / AT: „Shadows“ / Prod.: Impact Films; Sky One Productions; Fox Televisions / Laufzeit: 85 Min. / FSK: ab 16
Regie+Buch: Paul W. S. Anderson / Musik: Jocelyn Pook / Kamera: David Johnson / Schnitt: David Gamble / Ausf. Prod.: Paul W. S. Anderson, Jeremy Bolt, Julia Webb / Produzent: Chris Symes
Darsteller: Andrew McCarthy (Michael Lewis), Kevin Tighe (Jake), Amanda Redman (Detective Pryce), Jessica Oyelowo (Isabel), Honor Blackman (Margaret Smith), Alexander Armstrong (Charles Dodgson), Michaela Dicker (Alice), Jason Isaacs (Geist) sowie Maurice Roeves, Eamon Geoghegan, Tom Knight, Gregg Prentice, Charlie Watts, Clabe Hartley, David Roper, Hélène Patarot u.a.
Schreckliche Visionen und Alpträume plagen den angesehenen Architekten Michael Lewis (Andrew McCarthy): Eine schwarz gekleidete Gestalt sticht mit langem Messer ein kleines Mädchen nieder. Sein neuester Job könnte ihm da etwas Ablenkung verschaffen: die Restauration des alterwürdigen, aber sanierungsbedürftigen „Arkania“-Hotels in London. Doch auch hier lassen ihn geisterhafte Erscheinungen und merkwürdige Vorfälle nicht in Ruhe – Gevatter Tod läßt herzlich grüßen! Spätestens als er in Gedanken versunken eine alte Frau mit seinem Wagen überfährt. Mit den Worten „Seien Sie stark!“ stirbt sie in seinen Armen einen erlösenden Tod. Die alte Dame stellt sich als Margaret Smith (Honor Blackman) heraus, eine aus dem Krankenhaus geflüchtete Patientin, die Michael bereits in London erwartete. In einem Brief eröffnet sie ihm, daß er das 2. Gesicht hat, eine übernatürliche Gabe, mit der er in der Lage ist, die Toten zu sehen. Und die wollen Michael Lewis’ Hilfe: Ein Mörder, der es vorwiegend auf Kinder abgesehen hat, treibt in London sein Unwesen Zusammen mit Architekten-Kumpel Jake (Kevin Tighe) und Detective Sgt. Pryce (Amanda Redman) findet er heraus, daß der Killer ein Nachahmer ist, der eine alte Mordserie kopiert. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, bis er sein nächstes Opfer gefunden hat...
Keine Frage, welche Vorbilder THE SIGHT hat: THE SIXTH SENSE und ECHOES sind es gewesen, die Paul Anderson (RESIDENT EVIL, ALIEN VS. PREDATOR) zu seinem übersinnlichen Mystery-Geister-Thriller inspirierten. Doch deren Überraschungsmomente fehlen hier; Anderson setzte mal wieder alles auf seine Effekte. Er zeigt sich wiederum als ein visuell ausgebufft arbeitender Regisseur, der ein As ... äh, Ass ist im Umgang mit visuellen Eindrücken. Nur die nervenden Cliffhanger, die in die Werbepausen einleiten sollen, deuten bei THE SIGHT auf eine TV-Herkunft hin. Schon in seinem SF-Horrormärchen EVENT HORIZON verwendete er einige der hier gezeigten Elemente, bekanntlich suchten auch dort die Seelen der Toten eine Raumschiffcrew heim. Doch hier wie dort zeigt sich, daß bei Anderson Handlung und Charaktere von überall her zusammen geklaubt sind. Er folgt den üblichen Versatzstücken, etwa wenn Andrew McCarthy als Hauptverdächtigter in den Knast gesteckt wird und auf sich allein gestellt erst mal seine Unschuld beweisen muß. Und dann, ja dann geht’s einfach nur darum, den üblen Killer zur Strecke zu bringen und weitere Kindermorde zu verhindern. THE SIGHT zerrt im Prinzip nur an einem weiteren, modischen Hollywood-Trend, und der sudelt zur Zeit durch den Horrorfilm: Die Seelen der Toten irren durch die Welt der Lebenden, um endlich ihre Ruhe zu finden. Die subtile Spannung und Atmosphäre des Überraschungserfolges THE SIXTH SENSE bleibt jedoch unerreicht. Im besten Falle kann man THE SIGHT das Prädikat „Effektvoll wirkungslos“ verleihen...