Faust - Love of the Damned
FAUST
LOVE OF THE DAMNED
E 2001 / O: Faust Love of the Damned / AT: Diabolo; Faust; Faust: La revenja és a la slang; Faust: La venganza está en la sangre / Prod.: Filmax, Fantastic Factory / Laufzeit: 96 Min. (ungeprüft)
Regie: Brian Yuzna / Musik: Xavier Capellas / Kamera: Jaques Haitkin / Schnitt: Luis De La Madrid / Ausf. Prod.: Carlos Fernandéz / Prod.: Brian Yuzna, Julio Fernandéz / Buch: David Quinn, basierend auf der Comicvorlage von Tim Vigil & David Quinn / zusätzliche Dialoge: Miguel Tejada Flores / FX : Screaming Mad George, Poli Cantero, Anthony C. Ferrante
Darsteller : Mark Frost (John Jaspers / Faust), Jeffrey Combs (Detective Dan Margolies), Andrew Divoff (M), Isabel Brook (Dr. Jade de Camp), Monica Van Kampen (Claire), Fermí Reixach (Comissioner Marino), Jennifer Rope (Blue), Junix Nocian (Dr. Yamato), Marc Martínez (Hapi), Francisco Maestre (Baez), Ronny Svensson (Beef) sowie Robert Paterson, Clare Leach, Alex Sarr, Julia Davies, Charo Oubiña u.a.
2001 tat sich Brian Yuzna mit Julio Fernandéz und seinem kleinen Studio Filmax zusammen und hob die in Barcelona ansässige Fantastic Factory aus der Taufe. Fernandéz und Yuzna, der als Regisseur (BRIDE OF RE-ANIMATOR, 1989; RETURN OF THE LIVING DEAD III, 1993) und Produzent (RE-ANIMATOR, 1985; FROM BEYOND, 1986) eine treibende Kraft des Hardcore-Horrors der 80er und 90er war, hatten eine Genrefilmschmiede im Vorbild der legendären britischen Hammer Studios im Sinn ihr erstes gemeinsames Filmprojekt erweckt allerdings keinen guten Eindruck. Der Debütfilm der Fantastic Factory nimmt sich der ebenso populären wie umstrittenen Comicvorlage Faust von Tom Vigil und David Quinn an, die hierzulande von dem Leipziger Indie-Verlag EEE unter Aufsicht von Bela B. Felsenheimer veröffentlicht wurde. Schon in den 90ern hatte Yuznas Weggefährte Stuart Gordon eine Verfilmung im Sinne gehabt, doch das Übermaß an Sex und Gewalt der Comicvorlage ließ das Projekt scheitern. Für Yuzna schließlich schien FAUST LOVE AND THE DAMNED der passende Einstieg ins spanische Horrorgeschäft gewesen zu sein.
Am Anfang war das blutige Massaker in einem Botschaftsgebäude, die Anwesenden wurden regelrecht zerstückelt. Der ermittelnde Detective Margolies (Jeffrey Combs) verschafft sich gegen den Willen seines Vorgesetzten Zutritt, wo er schnell auf den Urheber des grausamen Blutbades stößt: John Jaspers (Mark Frost), der in einem apathischen Zustand in die geschlossene Anstalt geliefert wird. Dort verschafft sich die Psychologin Dr. de Camp (Isabel Brook) mittels ihrer umstrittenen Musik-Therapie Zugang zu Jaspers, der ihr seine grausame Geschichte erzählt. Eine brutale Bande von Sadisten, die sich ihr Geld mit Menschenschmuggel verdienen, tötete kaltblütig seine Freundin, woraufhin er sich das Leben nehmen wollte. Ein seltsamer Fremder namens M (Andrew Divoff) verhinderte dies und bot ihm einen teuflischen Pakt an. Es wär besser gewesen, wenn sich John Jaspers umgebracht hätte. Oder doch nicht? Im Tausch gegen seine Seele bietet ihm M an, gnadenlose Rache an den Mördern seiner Freundin zu nehmen. Doch was Jaspers erst viel zu spät erkennt: M benutzt ihn als willenloses Mordwerkzeug. Detective Margolies wird der Fall entzogen, doch unabhängig davon ermittelt er weiter und stößt während seiner Recherchen auf eine mysteriöse Sekte namens Die Hand. Und was auch Margolies viel zu spät erkennt: ausgerechnet der diabolische M ist deren Chef. Ungeduldig wartet er ein Jahrtausendritual ab, deren Sinn eine Neuordnung der Welt ist...
Oh, nein, da hatte Brian Yuzna keinen guten Einstand mit seiner in Spanien gegründeten Fantastic Factory gegeben, selbst als nicht ernst zu nehmender Film kann man FAUST LOVE OF THE DAMNED einfach nicht ernst nehmen. Geprägt von Mittelmäßigkeit und einem überlauten, aufdringlichen Heavy-Metal-Soundtrack gibts einen lieblosen Mix aus blutigen Schlitzereien, Orgien-Ausschweifungen, platten Dialogen, Tittenszenen und gewollter unfreiwilliger Komik. Das Ganze sieht dann aus wie die kostengünstige Trash-Variante von SPAWN, dürfte der Comicvorlage aber kaum gerecht werden, was wunderlich ist, da ja mit David Quinn einer der zwei Faust-Schöpfer das Drehbuch schrieb. Es lag nicht nur daran, daß der übermäßige Sex- und Gewaltlevel auf Mainstream taugliches- und erträgliches Mindestmaß runtergeschraubt wurde, obwohl auch dieses Yuzna-Werk zahlreiche Splatter- und Verwandlungseffekte zieren. Ulkiger Höhepunkt ist eine obskure Arsch-Titten-Szene als Comedy-Einlage, in welcher M die Rundungen seiner hinterhältigen Gehilfin Claire, einem echten Miststück, auf monströse Ausmaße heranwachsen läßt bis nur noch ein wabbernder Schwabbelklumpen von ihr übrig ist. Glibberig, glibberig das Ganze. Trash, ein weitläufiger, gern gebrauchter Begriff, auch Spreewaldgurken-Export Achim Menzel und das keifende Mückengesicht Guido Westerwelle rutschen in diese Kategorie... Doch schaut Euch, werte Freunde des schlechten Geschmacks, FAUST LOVE OF THE DAMNED an und Ihr seht eine Variation von Trash. Selbst die Friedhofsszenen sehen bei Yuzna inzwischen aus wie bei Ed Wood, tja, so schnell kanns gehen. Aber ich fand die Szene klasse, als M den aus der Klapse entführten John Jaspers lebendig begräbt und er, tief unter der Erde, unter dem Gezappel eines abrockenden Skeletts zu neuem Leben erwacht. Jetzt ist er Faust, der im Rächergewand durch die Luft wirbelt und blutige Rache nimmt. Links und rechts zwei lange Messerkrallen, bei deren Anblick sogar Freddy Krueger neidisch sein dürfte. Der finale Höhepunkt: ein satanisches Opferritual, bei dem die Bestie gerufen wird: der Homunkulus, die obszöne Vollkommenheit, wie ihn M bezeichnet, aber in Wahrheit eine tricktechnische Unvollkommenheit ist.
Insgesamt betrachtet ist FAUST LOVE OF THE DAMNED, der unter seinem niedrigen Budget leidet, eine herbe Enttäuschung, zumindest für diejenigen, die bereits in der Comicvorlage blätterten und genau wissen, daß hier noch viel mehr drinnen gewesen wäre und auch für die, die wissen, daß es Yuzna eigentlich viel besser kann. Darstellerisch gibts auch nicht viel zu erwarten: Mark Frost ist ein schlechter Karnevalsscherz, Isabel Brook konnte erst in ALONE begeistern und auch die zwei einzigen Schauspieler haben hier nicht viel zu melden: Andrew Divoff muß die ganze Zeit mit seinem WISHMASTER-Grinsen auskommen und selbst Jeffrey Combs wirkt als neugieriger Detective seltsam desinteressiert.
- Krasse Sache: um die Einstufung Nicht freigegeben unter 18 Jahren zu erhalten, mussten insgesamt 10 Minuten (!) entfernt werden, die in den Videotheken und Kaufhäusern erhältlichen Fassungen von MB und Pest Entertainment sind allesamt geschnitten und ähneln einem verstümmelten Schnitt-Desaster. FSK = Freiwillige Scheiss Kontrolle. Definitiv ungeschnitten ist die Special Edition von Legend Home Entertainment und das beste Beispiel für einen mäßigen Film in toller DVD-Umsetzung: ein aufwändiges Digipack im Bibel-Look mit dem bekannten Faust-Logo, limitiert auf 3000 Stück und mit Sicherheit längst vergriffen. Unter den leider nur teilweise deutsch untertitelten Extras befinden sich ein Special über die digitalen Effekte mit Vorher/Nachherszenen, ein Setbesuch, alternatives Rohmaterial der Orgien-Szene, Storyboards, Videoclips von Fear Factory und Soulfly, Interviews mit Yuzna, Sreaming Mad George, Frost, Brook und Combs, dt. + engl. Trailer, 2 TV-Spots und auf einer separaten Audio-CD der komplette Soundtrack. Der Audiokommentar mit Brian Yuzna ist nicht untertitelt. Neben dem Limitierungszertifikat gibts noch ein wunderschönes 52seitiges Booklet mit allerlei Infos und Interviews. Weitere technische Daten: Ton in DTS 5.1 (Deutsch) und Dolby Digital 5.1 (Deutsch, englisch), Bild: 1.85 : 1
- Trotz des eher schwachen Einstiegs konnte sich die Fantastic Factory am europäischen Horrormarkt behaupten - zumindest für ein paar Jahre. Es folgten der ebenfalls nicht berauschende Spinnen-Horror ARACHNID (2001, Jack Sholder), Stuart Gordons fabelhafte Lovecraft-Verfilmung DAGON (2001), der Spukhaus-Grusel DARKNESS (2002) von Jaume Balagueró, der Werwolf-Film ROMASANTA (2004, Francisco Plaza) mit Julian Sands und THE NUN (2005), das verrissene Regiedebüt von Cutter Luis De La Madrid. Yuzna selbst inszenierte BEYOND RE-ANIMATOR (2003), ROTTWEILER (2004) und BENEATH STILL WATERS (2005). Danach war die Fantastic Factory Geschichte und Yuzna ging wieder nach Amerika.
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Aktualisiert (Montag, den 26. März 2007 um 02:57 Uhr)

















