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TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 „In eine ordentliche Gallenterrine gehört Majoran!“ (W. E. Saywer alias Cook) USA 1986 / O: „The Texas Chainsaw Massacre 2“ / Prod.: Cannon / Laufzeit: 96 Min. / FSK: Scheiß drauf! Regie + Co-Produzent: Tobe Hooper / Musik: Tobe Hooper & Jerry Lambert / Kamera: Richard Kooris / Schnitt: Alain Jakubowicz / Produzenten: Menaham Golan & Yoram Globus / Buch: L. M. Kit Carson basierend auf Charakteren kreiert von Tobe Hooper & Kim Henkel / Special Effects Make-up: Tom Savini Darsteller: Dennis Hopper (Lt. „Lefty” Enright), Caroline Williams (Vantia „Stretch” Brock), Jim Siedow (W. E. Saywer alias Cook), Bill Moseley (Chop Top), Bill Johnson (Leatherface), Ken Evert (Großvater), Harlan Jordan (Patrolman), Kirk Sisco (Detective), James N. Harrell (CutRite Manager), Lou Perryman [= Lou Perry] (L. G. McPeters), Barry Kinyon & Chris Douridas (die zwei Nervensägen, die gleich am Anfang gekillt werden) sowie Judy Kelly, John Martin Ivey, Kinky Friedman, Wirt Cain, Dan Jenkins, Tobe Hooper (viel Spaß beim suchen!) 12 Jahre sind ins Land gegangen, seit die psychopathische Kannibalen-Sippe Saywer ihr Blutgericht in Texas servierte – Zeit also für ein richtig deftiges und diesmal wirklich blutiges Horror-Menü, das uns Tobe Hooper mit seiner Fortsetzung TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 auftischt. Geldgeber fanden sich in zwei Ikonen aus der gepflegten 80er Jahre-Trash-Branche: Menahem Golan & Yoram Globus. TCM 2 gehört zu einem Drei-Filme-Deal zwischen Tobe Hooper und den legendären Cannon-Studios, der den tollen LIFEFORCE (1985) und das Remake INVASION VOM MARS (1986) mit einschloss. Die Vorspeise besteht aus zwei bekloppten Yuppie-Jungs, die besoffen im Cabrio durch die Kante fahren und mit der Knarre auf Briefkästen ballern. Die sind wirklich so blöde, also, wenn einer von denen mein Sohn wäre, der würde den ganzen Tag nur Dresche kriegen. Der würde aufstehen und Dresche kriegen, der würde aus dem Haus gehen und Dresche kriegen, der würde wieder nach Hause kommen und Dresche kriegen und der würde ins Bett gehen und Dresche kriegen. Glaubt mir, die beiden werden schon noch reichlich Dresche kriegen. Vorher drängen die zwei Knallfrösche aber noch einen schwarzen Pick-up von der Strasse und rufen beim Radiosender „Kokla“ an, wo sie Stretch, die Moderatorin, gewaltig nerven. Das folgende Telefonat nimmt sie auf Band auf: Der Pick-up taucht wieder auf und eine groteske, hünenhafte Schreckensgestalt springt empor: Leatherface mit seiner kreischenden Motorsäge. Und nicht nur sie wird kreischen... Leatherface... – was ist so aus ihm geworden? Nun, zusammen mit dem Rest seines Mörderclans hat er sich in die unterirdischen Gänge eines verlassenen Vergnügungspark in der Nähe von Dallas nieder gelassen. „Drei Generationen Fleisch verarbeitender Spezialisten“, wie Chefkoch W. E. Saywer anpreist, gehen weiter ihrer Spezialität nach: ahnungslose Menschen von der Strasse zerren und zu leckerer Wurst verarbeiten. Ihr Geheimrezept haut voll rein (in den dummen Amimagen), denn W. E. Saywer wird zum wiederholten Male zum Sieger des alljährlich stattfindenden „Texas Chili Wettbewerbs“ gekürt. Menschen essen Menschen, dem Mensch schmeckt der Mensch. Und W. E. Saywer grinst sich das Gebiss aus dem Mund. Ihnen auf den Fersen ist der Texas Ranger Lefty Enright (klasse: Dennis Hopper), der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Menschenmetzger aufzuspüren und auszulöschen. Denn 1974 war es, als die Kinder seines Bruders im Süden von Texas bestialisch ermordet wurden. Seitdem jagt Enright die Mörder unerbittlich – Rache ist Blutwurst! Radio DJ Stretch nimmt Kontakt zu ihm auf, dieser bittet sie schließlich, das Band mit dem grässlichen Mord in ihrer Sendung noch mal abzuspielen. Das macht sie denn auch. Als sie das getan hat, erhält sie kurz nach Mitternacht Besuch: Leatherface und sein Bruder „Chop Top“, der in Vietnam offenbar ein paar Kopfschüsse zuviel abbekam. Sie zerlegen das Tonstudio samt Tontechniker. Stretch wird von Leatherface verschont, denn der hat auf einmal Schmetterlinge im Bauch. Zusammen mit Lefty Enright nimmt sie die Verfolgung auf und landet auf dem Anwesen der Saywers. Durch eine Falltür plumpsen sie direkt in die unterirdischen Schlachthaus-Katakomben. Während die Saywers Stretch zum Diner bitten, findet Lefty Enright im Leichenkeller die Überreste seines Neffen: Franklyn, der als Gerippe im Rollstuhl seinen Platz für die Ewigkeit gefunden hat. Mit der drastischen Horrorgroteske lieferte Tobe Hooper eine rabenschwarze, blutige Komödie ab, bei der aber die zermürbende Atmosphäre des Vorgängers verloren ging. Im ersten Teil deutete Hooper sehr geschickt das grausige Geschehen nur an, vieles fand im Kopf des Zuschauers statt und manch einer (hauptsächlich die Kritiker) fiel darauf herein. Ganz anders hier: Mit Hilfe der Make-up-Künste von Tom Savini ließ er sprichwörtlich die Sau raus und so gibt es viele heftige und blutige Make-up-Effekte zu bestaunen, die mitunter an den Rand des Erträglichen gehen. Der pure Anarcho-Splatter. Hier konnte Hooper noch einmal zeigen, was er drauf hat, denn was danach kam, war zum größten Teil absolute Scheiße, man denke nur an SPONTANEOUS COMBUSTION (1989) oder TOBE HOOPER’S LIVING NIGHTMARE (1993). Wunderschön ist jene Szene, in der Stretch in der Saywer-Gruft (tolle Ausstattung!) am fertig gedeckten Tisch erwacht, der Koch nur Unsinn schwafelt und Leatherface und Chop Top den halbtoten Großvater hereinkarren – das alles in einer schön langen, hübschen Kamerafahrt. Ansonsten ist TCM 2 mitunter ziemlich hysterisch, was nicht zuletzt an den Dauerschreikrämpfen von Caroline Williams liegt, ein ziemlich blasser Ersatz für Marilyn Burns, die Hooper nicht überzeugen konnte, eine weiteres Mal vor die Kamera zu treten. Allzu gerne hätte ich die Williams in ihrer langweiligen Rolle als Radio-Tussi im rotierenden Motorsägenblatt gesehen. Immerhin erlebt sie als Stretch etwas, was auch für den Zuschauer völlig neu sein dürfte: Die Motorsäge als Phallus-Symbol! Diskussionsstoff für Alice Schwarzer. Von der Originalbesetzung blieb nur der 2003 verstorbene Jim Siedow übrig, der als Chefkoch 100%iges Over Acting bietet – unvergesslich. Siedow wirkte nur in 5 Filmen mit, eigentlich schade, denn ich hätte ihn gerne öfter gesehen. Mit Hooper drehte er nach TCM 2 noch 1987 eine Folge der von Spielberg produzierten Fantasyserie AMAZING STORIES, das war’s dann. Auf die erneute Mitwirkung von Gunnar Hansen wurde angeblich wegen zu hoher Gagenforderung verzichtet und so verkörpert diesmal ein gewisser Bill Johnson Motorsägen-Fetischist Leatherface. Während der Dreharbeiten erkrankte dieser schwer und wurde teilweise durch einen Stuntman ersetzt. Wie bei Jason Vorheers und Michael Myers macht es kaum einen Unterschied, wer denn nun unter der Maske wütet, wie das nun mal Masken so an sich haben. Als Leatherface’ Bruderherz chargiert sich Bill Moseley mit Sonny-Bono-Perrücke und Stahlplatte im Kopf die Seele aus dem Leib. Chop Top ist der Krieg gar nicht gut bekommen, eigentlich untypisch für einen Amerikaner. Die Vietnam-Veteranen kommen in Hoopers Filmen nicht so gut weg: im bizarren EATEN ALIVE (1976) spielte Neville Brand einen einbeinigen, ausgeklinkten Hotelbesitzer, der mal im Krieg ein Held war und nun seine Gäste ans Krokodil verfüttert. Doch hier wie dort sind derartige gesellschaftskritische und politische Seitenhiebe eher oberflächlicher Natur. Vor allem TCM 2 ist zu sehr auf „durchgeknallter, exzentrischer Terrorfilm“ gepusht, als das man ihn in dieser Hinsicht ernst nehmen könnte. Die comichafte, völlig überzogene Charakterisierung der Figuren läßt dies auch nicht zu, was sicher beabsichtigt war. Was bleibt ist ein recht heftiges Horrorstück mit einem köstlichen Dennis Hopper als Kettensägen-Shopper, aber einem unfertig wirkenden Schluss. Kein Wunder, wurde Hoopers Sequel von Cannon nicht weniger drastisch geschnitten, die träumten doch tatsächlich von einer Jugendfreigabe. Bill Moseley blieb dem Genre treu und hatte in den Folgejahren mal kleinere, mal größere Rollen u.a. in THE BLOB (1988), SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT III (1989), KAMPF DER ROBOTER, Tom Savini’s Remake NIGHT OF THE LIVING DEAD (beide 1990), ARMEE DER FINSTERNIS (1993) und Mike Mendez’ Zombie-Ulk THE CONVENT (2000). Rob Zombie hatte Moseley’s Rolle in TCM 2 sicher vor Augen gehabt, als er ihn für sein Filmdebüt DAS HAUS 1000 LEICHEN (2003) besetzte, wo er den nicht weniger durchgeknallten Otis verkörperte
„Im Gegensatz zu Teil 1 versucht Hooper, das Ganze als schwarze Komödie daher kommen zu lassen, um das blutige Treiben auf der Leinwand etwas abzumildern. Was der Betrachter allerdings zu sehen bekommt, läßt selbst Hardcore-Fans mit flauen Magen vor der Glotze verharren.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
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Geschrieben von: Gast2 am 10-08-2007 19:57