Schlechter Geschmack: Die Welt ist zu schlecht für gute Filme
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Folterkammer des Hexenjägers, die

DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS

 

USA 1963 / O: „The Haunted Palace“ / AT: ,,Schloss des Schreckens” / Produktion: Alta Vista; American International Pictures  Länge: 83 Min. / FSK: ab 16 

Regie + Produktion: Roger Corman / Musik: Ronald Stein / Kamera: Floyd Crosby / Schnitt: Ronald Sinclair / Ausf. Prod.: James H. Nicholson, Samuel Z. Arkoff / Buch: Charles Beaumont / zusätzliche Dialoge: Francis Ford Coppola (ungenannt) / LV: H. P. Lovecraft („The Case of Charles Dexter Ward“) 

Darsteller: Vincent Price (Joseph Curwen/Charles Dexter Ward), Debra Paget (Ann), Lon Chaney Jr. (Simon Orne), Frank Maxwell (Ian Willet/Dr. Willet), Leo Gordon (Edgar Weeden/Ezra Weeden), Elisha Cook Jr. (Gideon Smith/Micah Smith), John Dierkes (Benjamin West/Jacob West), Cathie Merchant (Hester Thillinghast), Milton Parsons (Jabez Hutchinson), Guy Wilkerson (Leach) sowie Bruno VeSota, Darlene Lucht, I. Stanford Jolley, Barboura Morris, Harry Ellerbe

 

Der bösartige Hexer Joseph Curwen (Vincent Price) hat viel Leid über das kleine Fischerdorf Arkham gebracht. 1765 wird er von den aufgebrachten Bürgern auf dem Scheiterhaufen verbrannt, allerdings wirft er noch vor seinem Tode einen Fluch über den kleinen Ort. 110 Jahre später kommt Charles Dexter Ward (ebenfalls Price) mit seiner Gattin (Debra Paget in ihrer letzten Filmrolle) nach Arkham, um eine Erbschaft anzutreten: daß Schloss von  Joseph Curwen. Die Warnung des Kutschers, keine Nacht in diesem verfluchten Ort zu verbringen, schlagen sie lachend in den Wind (mehr Nebel als Wind...). Von Beginn an stoßen sie auf die ablehnende Haltung der Dorfbewohner, die seit Curwens Tod leiden, bringen die Frauen seitdem nur noch Missgeburten auf die Welt: Unheimliche Gestalten ohne Augen, Ohren oder Mund, die durch die Nebel verhangenen Straßen schleichen. Die ganz schlimmen werden hinter Schloss und Riegel weggesperrt und mit rohem Fleisch ruhig gestellt. Die ersten Vorboten des Bösen machen sich bei Ward schnell bemerkbar, als ihn das Ölgemälde seines Vorfahren in den Bann zieht und er immer öfter und heftiger dessen dämonische Züge annimmt. In dem „Palast für Wahnsinnige“, wie ihn Arkhams Bewohner nennen, fährt Curwens Geist  in den gutmütigen Ward und die Dinge des Grauens nehmen erneut ihren Lauf. Mittels des berüchtigten Necronomicon, dem schrecklichsten aller schrecklichen Bücher, arbeitet er an der Neuordnung der menschlichen Rasse. Der Fluch hat sich längst erfüllt... THE HAUNTED PALACE basiert lediglich auf den Titel des Gedichts von Edgar Allan Poe, eigentlich ist es die Verfilmung der Gruselgeschichte „Der Fall des Charles Dexter Ward“ von H. P. Lovecraft. Da Roger Corman’s bisherige Poe-Adaptionen (DIE VERFLUCHTEN, 1960, DAS PENDEL DES TODES, 1961, LEBENDIG BEGRABEN, DER GRAUENVOLLE MR. X, beide 1962 und DER RABE – DUELL DER ZAUBERER, 1963) ein ordentliches Sümmchen einbrachten, bestanden die geschäftstüchtigen Bosse von American International Pictures darauf, den Film als Poe-Verfilmung zu vermarkten – Corman konnte sich noch so dagegen wehren. DIE FOLTERKAMMER DES HEXENJÄGERS ist nicht werkgetreu, einiges hat sich Corman nach Herzenslust zurecht gebogen, aber zumindest ist es „liebevoll“ gemachte, klassische Grusel-Unterhaltung, die nach viel mehr aussieht, als sie letztendlich gekostet hat. Corman legt eine atmosphärisch stimmige Arbeit hin, in der er sein Augenmerk auch auf (damals) recht drastische Schockeffekte setzt. Der brillante Vincent Price ist in seiner Doppelrolle á la Jekyll/Hyde einfach wunderbar: keiner  kann so schön dämonisch schauen, nur um im nächsten Moment so verletzlich und traurig drein zu blicken... In einer seiner letzten Rollen ist Lon Chaney, Jr. (DER WOLFSMENSCH, 1941) als Curwens treuer Diener Simon zu sehen, der nur darauf wartet, daß der Geist seines Herren in den ahnungslosen Ward fährt. Wie er denn nun die 110 Jahre bis zur Reinkarnation seines Meisters überdauert hat, wird nie richtig geklärt und scheint auch nicht so wichtig zu sein. 

  • Elisha Cook, Jr., der in der STAR TREK-Folge “Kirk unter Anklage” der schrulligen Verteidiger war, spielt einen von Arkhams Bewohnern, die Joseph Curwen bei lebendigem Leib verbrannten und dessen Nachfahren das gleiche Unheil wiederfuhr. 

  • 1991 inszenierte Autor und Regisseur Dan O’Bannon eine weitere Interpretation des Lovecraft-Stoffes „Der Fall des Charles Dexter Ward“: THE RESURRECTED mit Chris Sarandon. 

  • Die Legende besagt, daß echte Menschen mit echten Verstümmelungen und Behinderungen engagiert wurden, welche die missgebildeten Einwohner Arkhams darstellen sollten. Aus Kinokassen-taktischen Gründen gab man dann doch an, ein Tricktechniker sei für die „Masken“ verantwortlich gewesen... 

·      „Formal zwar über dem Durchschnitt des Genres, gleichzeitig geschmäcklerisch und drastisch; oberflächlich in dem Versuch, die Grenzen von Sinnlich-Begrifflichen zum übersinnlichen zu überschreiten.“ (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS) 

·     Trotz des völlig daneben zielenden deutschen Titels (der „Hexenjäger“ ist ein Hexenmeister), ist der Film einer der wenigen B-Pictures, die man sich ansehen kann, ohne Bauchschmerzen zu bekommen.“ (Ronald M. Hahn & Rolf Giesen, DAS NEUE LEXIKON DES HORRORFILMS) 

  • „Einer der bestfotografiertesten Filme aus der fruchtbaren Zusammenarbeit von Vincent Price und Roger Corman, der hier zudem mit sehr harten und kruden Effekten arbeitet.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR) 

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