ANACONDA„Sie schlingt sich um dich, und bevor dein Gehirn explodiert, hörst du deine Knochen brechen.“
Riesenschlangen-Horror (USA 1997) / O: „Anaconda“ / Prod.: Columbia Pictures / Länge: 90 Min. / FSK: ab 16
Regie: Luis Llosa / Musik: Randy Edelman / Kamera: Bill Butler / Schnitt: Michael R. Miller / Ausf. Prod.: Susan Ruskin / Prod.: Verna Harra, Leonard Rabinowitz, Carl Little / Buch: Hans Bauer, Jim Cash, Jack Epps Jr.
Darsteller: Jon Voight (Paul Sharone), Jennifer Lopez (Terri Flores), Ice Cube (Danny), Eric Stoltz (Dr. Steven Cale), Jonathan Hyde (Warren Westridge), Owen Wilson (Gary Dixon), Kari Wuhrer (Denise Kalberg), Vincent Castellanos (Mateo), Danny Trejo (Wilderer)
ANACONDA, zugeschnitten auf ein anspruchloses Mainstream-Publikum, läutete eine Renaissance des Tier-Horror-Films ein. Tatsächlich erwies sich Luis Llosa’s Schlangen-Reißer als Überraschungshit. Schlange stehen muß man deshalb aber nicht unbedingt.
Eigentlich wollte der Anthropologe Cale (Eric Stoltz) zusammen mit seinem Film-Team (Jennifer Lopez, Ice Cube u.a.) nur eine Expedition in den brasilianischen Regenwald durchführen. Nach einem Unwetter nehmen sie den zwielichten Sarone (köstlich: Jon Voight) an Bord. Von da an läuft alles schief: Cale wird von einer Wespe attackiert und liegt von nun an flach und Sarone entpuppt sich als gewissenloser Halbirrer, der die ihm angebotene Hilfe lediglich für seine Zwecke missbraucht. Denn er hat nur eines vor: eine 13m lange Anaconda (lebend!) zu fangen, um damit richtig Kohle zu machen...
Mächtig Kohle gescheffelt haben auch die Produzenten dieses Würgers. ANACONDA ist vorhersehbar, klischeehaft, übertrieben und effekthaschend – und nur wenn einem das vornherein klar ist, hat man auch alle Vorraussetzungen für einen kurzweiligen Horror-Spaß. Das die Darsteller nicht viel zu melden haben liegt auf der Hand, aber auch an ihnen selbst. Eric Stoltz kippt schon nach ’ner halben Stunde ins Koma, was eine der wenigen wirklichen Überraschungen des Films ist. Man hätte es eher seinen Mitstreitern gewünscht: Latino-Tussi Lopez bleibt trotz (oder wegen?) reichlich Sex-Appeal ziemlich blass und die Knallchargen Ice Cube (als cooler Sprücheklopfer) und Jonathan Hyde (totales Over-Acting!) nerven einfach. Herausragend ist nur einer: Jon Voight. Er ist mit reichlich Lust und Laune dabei und zeigt in der Rolle des rücksichtslosen Bösewichts wo’s lang geht: Wenn er bis zur Schmerzensgrenze grimassiert und seine Schurkenrolle gnadenlos überzieht, dann weiß jeder: bloß nicht ernst nehmen das Ganze. Und das ist auch das Problem von ANACONDA: Einen Film mit so viel schlappen Dialogen, Logik-Einbrüchen und unfreiwilliger Komik kann man einfach nicht ernst nehmen. Luis Llosa inszenierte sauber und schnörkellos, die Bilder im brasilianischen Regenwald sind auch wunderbar, aber leider nimmt er seine trashige Story zu ernst und wichtig. Ein weiteres Manko sind eindeutig die enttäuschenden Computer- und Animationseffekte von Walt Conti, der als Experte auf diesem Gebiet gelten soll (er kreierte auch die Wale in FREE WILLY 1 & 2), wovon hier aber wenig zu spüren ist. Die hastig hingeschluderten Bewegungen seiner Anaconda sehen zu künstlich und unnatürlich aus, da haben wir schon weitaus überzeugenderes gesehen. Bei weitem also nicht genug für einen abendfüllenden Schlangen-Schocker, aber immer noch genug für einen soliden, groß angelegten B-Movie, der zumindest die Trash- und Horror-Fraktion auf seine Weise ... „unterhalten“ wird. Zumindest in Szenen wie diesen: Die Anaconda verschluckt Sarone, spuckt ihn halb verdaut wieder aus, wobei er Jennifer-Baby und dem Publikum noch mal zuzwinkert. Also nicht vergessen: Bloß nicht ernst nehmen das Ganze.
· Noch zwei Filme, für die man nicht unbedingt Schlange stehen muß: KILLER KOBRA (1999) und der wüste Splatter-Trash PYTHON (2000, u.a. mit Casper Van Dien, Wil Wheaton und Robert Englund!)
· Der Peruaner Luis Llosa war Anfang der 90er für Roger Corman tätig, für den er einige zweitklassige Action- und Horrorfilme produzierte/inszenierte (u.a. WATCHERS 3, 1994). Seinen Durchbruch hatte er mit dem „Goldene Himbeere“-preisgekröntem Sylvester Stallone/Sharon Stone-Vehikel THE SPECIALIST (1994).
· Jennifer Lopez und Jon Voight konnte man in dem von Oliver Stone inszeniertem U-TURN wieder sehen.
· Am Anfang kurz dabei: Der gute, alte Danny Trejo (DESPERADO; FROM DUSK TILL DAWN; CON AIR), der als geschockter Wilderer vor der Anaconda auf einen Schiffsmasten flieht. Keine gute Idee...
· Co-Autor Hans Bauer (TITAN A.E.) blieb dem Tier-Horror treu und schrieb das Drehbuch zu KOMODO (1999), in dem mutierte Echsen durch drehen. 2004 gabs noch eine Pseudo-Fortsetzung: ANACONDAS – DIE JAGD NACH DER BLUT-ORCHIDEE
· „Glitschiges B-Movie: Funktioniert nur, wenn man’s nicht ernst nimmt.“ (CINEMA)
· „(...)Zu trashig für die große Leinwand.“ (MOVIESTAR)
· „Mittelmäßiges, aber extrem erfolgreiches B-Movie aus der Trickkiste von Hollywood.“ (SPACE VIEW)
· „Trotz aller Fehler und strotzender Blödheit ist ANACONDA ein Riesenspaß. Man kreischt vor Lachen über diesen charmanten Schlangenfilm in der Tradition des Corman-Unsinns aus den späten 50ern.“ (STARBURST)
· „Verschenkte Möglichkeiten, satte Klischees: das reißende Reptil verkommt zur Blindschleiche.“ (VIDEOPOWER)