DER UNHEIMLICHE MR. SARDONICUS
USA 1961 (s/w) / O: „Mr. Sardonicus“ / Prod.: Columbia / Laufzeit: 82 Min. / FSK: ab 16
Regie + Produktion: William Castle / Musik: Von Dexter / Kamera: Burnett Guffrey / Schnitt: Edwin Bryant / Buch & LV: Ray Russell
Darsteller: Ronald Lewis (Sir Robert Cargrave), Oscar Homolka (Krull), Guy Rolfe (Baron Sardonicus), Audrey Dalton (Maude), Vladimir Sokoloff (Henryk Toleslawski), Erika Peters (Elenka) sowie Lorna Hanson, James Forrest, ungenannt: Albert D’Arno, David Janti, C. Cavendish, A. Lund, C. R. Radilac & William Castle (als sich selbst) u.a.
London, 1880 (besonders Nebel verhangen): Ein auf den ersten Blick netter Herr erscheint und stellt sich als William Castle vor („Wir kennen uns vielleicht noch von dem Film MÖRDERISCH...“). Der Meister höchst persönlich führt uns ein und verspricht „...etwas ganz grusliges. Eine unheimliche Geschichte, voll von allerhand Spuk, mysteriösen Vorgängen und bösen Ghuls. Sie wissen doch was Ghuls sind?“
Der angesehene britische Chirurg Sir Robert Cargrave (Ronald Lewis) wird nach Böhmen auf das Schloß des gefürchteten Baron Sardonicus (Guy Rolfe) gerufen, wo dringend seine medizinische Hilfe benötigt wird. Mehr als das: Das Hilfe suchende Telegramm stammt von Maude (Audrey Dalton), eine einst Verflossene, die nun mit Sardonicus verheiratet ist. Cargrave macht eine weite Reise; einen Einheimischen auf den Baron angesprochen, bricht dieser schon bei dessen Namen in blankem Entsetzten aus. Cargrave wird schließlich von Sardonicus’ Diener Krull (herrlich: der Österreicher Oscar Homolka) auf’s Schloß gebracht, wo’s schon die ersten der eingangs erwähnten mysteriösen Vorgänge gibt. Der Herr Baron Sardonicus, der mit Maude einsam und zurückgezogen lebt und sein Gesicht stets hinter einer starren Maske verbirgt, erzählt seine schreckliche Geschichte und den Grund für die benötigte medizinische Hilfe: Vor vielen Jahren wollte er nur das Lotterielos, welches einen saftigen Gewinn versprach, aus der Jackentasche seines Vaters holen. Dumm nur, das dieser schon die Hufe hochgerissen hat und tief verbuddelt unter der Erde lag. Doch Geld stinkt nicht und so öffnete er das Grab ... mit verheerenden Folgen: Beim Anblick seines alten Herrn erlitt er einen Muskelstarrkrampf; sein Gesicht entstellt zu einer hässlichen Fratze, „...vollkommen verzerrt und spöttisch grinsend wie das Antlitz meines Vaters.“ Doch nicht nur äußerlich ist Baron Sardonicus ein Monster: Der sadistisch veranlagte Irre würde alles, aber auch alles tun, um endlich wieder „normal“ zu sein...
Eine „verrückte Komödie“ ist das (und zwar unfreiwilliger Natur), die nicht immer das „Unheimliche“ und „Gruslige“ einhält, welches uns Mr. Castle anfangs versprach. Er setzte mehr auf plumpe Effekthascherei mit einfältigen Tricks, die schon für damalige Zeiten äußerst billig und naiv waren. Vor allem Sardonicus’ schwer entstellte, bestenfalls groteske Grinse-Fratze sorgt für Lachanfälle. Amüsiert hab’ ich mich jedenfalls köstlich und irgendwie hat William Castle sein Versprechen vom Beginn doch eingehalten... Auf der Haben-Seite ist die hübsch-altmodische Atmosphäre (unvergessen: die Grabräuber-Szene), die von den Studio-Kulissen ausgeht, und einige makabre Einfälle. Unschlagbar ist Oscar Homolka als Sardonicus’ bizarrer, einäugiger Diener Krull, der das Zimmermädchen Anna (Lorna Hanson) schon mal mit Blutekeln foltert. Wer etwas für die trashigen Grusel-Schinken von Castle übrig hat, wird hier bestens unterhalten.
- Guy Rolfe gibt „unmaskiert“ (in den Rückblenden) eine eher ausdruckslose Vorstellung ab. 1959 war er in Terence Fisher’s DER WÜRGER VON BOMBAY zu sehen. Viele Jahre später ließ er die Puppen tanzen: in Stuart Gordon’s DOLLS (1986) war er ebenso dabei wie in Charles Band’s langlebiger PUPPETMASTER-Reihe, wo er von William Hickey die Rolle des Puppenspielers Andrè Toulon übernahm (siehe: PUPPETMASTER III)
„Atmosphärisch dichter B-Horrorfilm, der effektvoll filmische Tricks – und auch manche Hässlichkeit – zu bedienen versteht und handfesten Gruselkintopp mit einigen suggestiven Andeutungen verbindet. Eindrucksvoll: Oscar Homolka, der eine intensive Studie als einäugiger Kammerdiener bietet.“ (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)
netter Film
Geschrieben von: Tuvok am 08-10-2005 11:45