Schlechter Geschmack: Die Welt ist zu schlecht für gute Filme
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Basket Case

BASKET CASE 

Der unheimliche Zwilling

 

„Der Film ist wie E.T., aber geschrieben und inszeniert von einem Psychopathen.“ (Diane Haithman, DETROIT FREE PRESS)

 

USA 1982 / O: „Basket Case“ / AT: „Der unheimliche Zwilling“ / Laufzeit: 91 Min. (uncut) / FSK: --

 

Regie + Buch: Frank Henenlotter / Musik: Gus Russo / Kamera: Bruce Torbet / Ausf. Prod.: Arnold H. Bruck / Prod.: Edgar Ievens / FX: Gabe Bartalos

 

Darsteller: Kevin Van Hentenryck (Duane Bradley), Terri Susan Smith (Sharon), Beverly Bonner (Casey), Lloyd Pace (Dr. Harold Needleman), Diana Browne (Dr. Judith Kutter), Robert Vogel (Hotelmanager), Bill Freeman (Dr. Lifflander), Dorothy Strongin (Josephine), Ruth Neuman (Tante), Richard Pierce (Duane’s Vater) sowie Joe Clarke, Sean McCabe, Kerry Buff u.a.

 

„Was ist in dem Korb?“ „Ich dachte, in dem Korb ist ihr Werkzeug?“ „Sind in dem Korb Ostereier oder so?“ „Was hast du im Korb versteckt?“ Derlei Fragen werden Duane (Kevin Van Hentenryck) oft gestellt. Aber was ist denn nun in seinem großen Weidenkorb, den er mit sich herum trägt? Na, sein siamesischer Zwillingsbruder natürlich. Belial heißt er. 14 Jahre waren sie alt, da wurden sie auf Anweisung ihres Vaters durch drei Ärzte voneinander getrennt (die Wohnstube wurde kurzerhand in einen Operationssaal umfunktioniert), denn Belial ist nur ein groteske, monströse Ausgeburt, die an der rechten Körperhälfte seines „gesunden“ Bruders Duane hängt. Das Ding landete in der Mülltonne, konnte aber von Duane gerettet werden, der sich mit seiner fürsorglichen Tante fortan um ihn kümmerte. Das ist wahre Bruderliebe. Zur Strafe für sein wenig väterliches Verhalten wurde Dad von Belial mit dem rotierenden Blatt einer Kreissäge entzweit. Damit er weiß, wie es ist, wenn man voneinander getrennt wird. Einige Jahre sind seitdem vergangen und Duane ein erwachsener, junger Mann, der mit seinem im Korb versteckten Bruder durch New York’s Nächte streift und schließlich im Hotel Broslin strandet, einer der vielen schäbigen Absteigen mit ihren skurrilen Gästen und nicht minder skurrilen Geschichten. Beide sind hier her gekommen, um Rache zu nehmen an dem, was ihnen zugefügt wurde. Ihr erstes Opfer ist Dr. Lifflander, der noch vergleichsweise kurz und schmerzlos stirbt. Was Dr. Needleman nicht von sich behaupten kann, der als nächstes an der Reihe ist. Mit ungewünschten Nebeneffekt, denn Duane verliebt sich in Needleman’s Sprechstundenhilfe Sharon (Terri Susan Smith), was natürlich Belial’s Eifersucht hervorruft. Der demoliert daraufhin das Hotelzimmer und zerfetzt einem Einbrecher (Joe Clarke), der das gesparte Geld stehlen wollte, das Gesicht. Als letztes ist die elende Ärztin Dr. Kutter dran, der Belial die Zunge herausreißt und das Gesicht mit Skalpellen verziert. Doch das ist ihm immer noch nicht genug...

BASKET CASE ist anstößig, provozierend, bewusst geschmacklos und trieb schon beim Lesen der Inhaltsangabe etablierte Kritiker zu Verzweiflungsschreien – dabei sprechen wir noch nicht mal von dem, was schlussendlich im Film so alles zu sehen ist. Die Widmung an das filmische Schaffen eines Herschell Gordon Lewis spricht jedenfalls Bände. Doch wie so manch handelnde Person im Film, so versteiften sich manche steife Kritiker wieder mal nur auf Äußerlichkeiten, übersahen aber im Kern Henenlotters hintergründige, gesellschaftskritische Anspielungen. Gut, der eine oder andere mag vielleicht wirklich nicht wissen, ob er sich beim Anblick Belial’s ekeln oder totlachen soll – hehe, ist doch in Ordnung. Wir leben in einer Demokratie und da darf sich jeder seine eigene, persönliche Missgeburt und die entsprechende Reaktion darauf heraus suchen. Hier jedoch unterstützen die ungelenken, billigen Stop-Motion-Animationen, mit der man Belial hin und wieder wüten läßt (etwa in der Szene, in welcher er Duane’s Hotelzimmer zerlegt), den bizarren Charakter der Geschichte. Es gibt Filme, da stört ein unausgereifter Spezialeffekt nicht weiter und es gehört viel dazu, so etwas hinzukriegen. Frank Henenlotter hat es geschafft. BASKET CASE ist Henenlotter’s  ganz eigener Blick auf New York’s Untergrund, auf all die gestrauchelten Existenzen, die sich unter der Freiheitsstatue tummeln. Duane und Belial fallen da gar nicht weiter auf, zumindest so lange Duane den Hunger seines kleinen, bösen Bruders mit Riesenportionen an Hamburgern und Würstchen stillen kann. Doch die kleine Kreatur hat noch mehr Hunger – Hunger nach Rache.  

 

  • „Frank Henenlotter hat mit BASKET CASE einerseits einen sowohl spannenden als auch ironischen No-Budget-Streifen gedreht, der den schwarzen Humor des Horrorfilms der 80er vorwegnimmt.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
  • „Henenlotter versteht es meisterhaft, die sozialkritische Handlung mit schockierenden Effekten und einem Schuß haarsträubenden schwarzen Humor zu verbinden.“ (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN) 

  • „Die Kaltschnäuzigkeit, mit der das Publikum mit den grausigsten Morden konfrontiert wird, sucht wahrlich ihresgleichen, und die begeisterten Jubelrufe, mit der zahlreiche anglo-amerikanische Rezensenten diesen Ausbund an niederträchtiger Geschäftemacherei begrüßt haben, trägt nur zu der Erkenntnis bei, daß das Sein das Bewusstsein bestimmt.“ (Ronald M. Hahn & Rolf Giesen, DAS NEUE LEXIKON DES HORRORFILMS)
  • „Ein Horror-Streifen von rechtschaffener Scheußlichkeit, bei dem man sich schon früh entscheiden muß, ob man das Monster zum Ekeln oder zum Lachen finden soll.“ (Otto Kuhn, FILMBEOBACHTER)

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