Schlechter Geschmack: Die Welt ist zu schlecht für gute Filme
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Fear Dot Com

fear dot com

 

GB / D / Luxemburg 2002 / O: „FearDotCom“ / Prod.: Warner Bros. / Länge: 101 Min. / FSK: ab 16

 

Regie: William Malone / Musik: Nicholas Pike / Kamera: Christian Sebaldt / Schnitt: Alan Strachan / Ausf. Prod.: Rudy Cohen, Mark Damon, Frank Hübner, Elie Samaha, David Saunders, Romain Schroeder, Andrew Stevens / Prod.: Limor Diamant, Moshe Diamant / Buch: Moshe Diamant / Story: Josephine Coyle

 

Darsteller: Stephen Dorff (Detective Mike Reilly), Natascha McElhone (Terry Huston), Stephen Rea (Alistair Pratt, der „Doktor“), Jeffrey Combs (Sykes), Udo Kier (Polidori), Michael Sarrazin (Frank Bryant), Amelia Curtis (Denise Stone), Nigel Terry (Turnbull), Gesine Cukrowski (Jeannie), Anna Thalbach (Kate), Matthias Schweighöfer (Dieter Schrader) sowie Siobhan Flynn, Evie Garratt, Joan McBride, Elizabeth McKechnie, Nils Brunkhorst, Sven Pippig u.a.


Eine Serie mysteriöser Todesfälle hält die New Yorker Polizei in Atem – ja, so fangen sie alle an. Die bewährte Einleitung zum typischen Serienkiller-Reißer aus Hollywood sollte nicht das erste Deja-vú-Erlebnis von FEAR DOT COM sein. Zunächst wird ein Virus vermutet, da die Opfer mit aufgerissenen Mund und blutenden Augen starben, daher bekommt der ermittelnde Detective Reilly (Stephen Dorff, SPACE TRUCKERS, BLADE) die Gesundheitsbeamtin Terry Huston (Natascha McElhone, SOLARIS) zur Seite gestellt. Als ihr Ketten rauchender Vorgesetzte Turnbull (Nigel Terry) mit denselben Symptomen über den Jordan springt, beginnt man die Untersuchungen auszuweiten. Die Spuren führen zur Internetseite FearDotCom, doch erst der Tod der Computerexpertin Denise (Amelia Curtis), die den Dingen nur auf den Grund gehen sollte, bringt Reilly auf den Plan. Denn wer sich einmal auf FearDotCom eingeloggt hat, stirbt 48 Stunden später. Hinter der perversen Internetshow steckt der „Doktor“ (Stephen Rea als zerzauster Psychopathen-Wirrkopf), der junge Frauen bestialisch quält und zu Tode foltert. Doch es lauert noch etwas anderes Böses im Internet...                                  

FEAR DOT COM wurde an den US-Kassen ein Flop in all seiner Vollkommenheit, der gerade noch so den Weg in die heimischen Kinos fand, weil auch doitsches Geld an der Produktion ver(sch)wendet wurde. In den USA startete Malone’s Film einige Wochen vor Gore Verbinski’s RING-Reamake, wobei es eindeutige Parallelen zwischen beiden Produktionen gibt. Aus der Videocassette wird das Internet und dort draußen sowie in den Eingeweiden deines Computers, da sammelt sich all das Böse und sucht dich heim. Ironischerweise stammt jenes Effekte-Brimborium, das uns Furcht einflößen soll, aus selbigem. Der Versuch einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Internet-Vojeurismus geht flöten, weil die Macher genau jenem auf den Leim gehen: Die Mystery-Ästhetik der Todes-Website und die sadistisch-perversen Foltermethoden des werten „Doktors“ sind den Machern ja wichtiger als ein plausibler Plot, subtiler Spannungsaufbau und treffende Charakterisierungen. Aber so was hatte Autor Moshe Diamant ja gar nicht im Sinne gehabt. Auf besonders krude Weise wurschtelt er sich durch alles durch, was es so in den letzten Jahren an Horror-Zutaten im Kino gab: Serienkiller, Geister, Mystery-Grusel, Verschwörungen, Paranoia, ja selbst die alltägliche (und reale) Angst vorm heimtückischen Virus. Doch hinterher erinnert man sich nur an die fürchterlichen Dialoge, die einem einfach nur leid tun, zumal sie ja auch noch ausgesprochen werden. Sicherlich hat Malone visuell einiges drauf und vielleicht würde er auch gute Filme inszenieren, wenn man ihn endlich mal gute Drehbücher geben würde. Gedreht im SIEBEN-Look und in trüber Dauerregen-Kulisse hält Malone die düstere Schmuddel-Atmosphäre bis zum Schluß konsequent durch, wobei es ein Segen sein kann, daß der Film so dunkel ist, denn da bekommt man die mimischen Totalausfälle der beiden Hauptdarsteller nicht so mit. So, und wie kann FEAR DOT COM all diese Kritikpunkte wieder wettmachen? Nun ja, er ist nicht eine Sekunde langweilig gewesen. Trash at is best. 

 

  • Jeffrey Combs, der ja zuvor schon in Malones Remake HAUNTED HILL mehr oder weniger als irrer Dr. Vannacutt zu sehen war, ist hier als zwielichter und merkwürdig desinteressierter Cop-Partner von Stephen Dorff mit dabei. Viel hat er zwar nicht zu tun, doch ist Combs ähnlich wie Udo Kier einer, dessen Anblick auch in den unmöglichsten Rollen bei Genre-Fans Jubelstürme ausbrechen läßt. Einen schrägen Gastauftritt absolviert Michael Sarrazin (THE SECOND ARRIVAL) als heruntergekommenes und besoffenes Computergenie Frank Bryant, den Reilly und Huston in einer zwielichten Spelunke aufsuchen. 

  • Lustig sind die knappen Auftritte deutscher Stars: Udo Kier etwa, dem die ruhmreiche Ehre zufiel als allererstes Opfer im U-Bahn-Schacht einen extrem angstvollen Tod zu sterben. Er überlebt kaum die ersten fünf Minuten, brauch auch nix zu sagen, einfach Udo Kier sein und ist gleich raus aus dem Schneider. Auch Matthias Schweighöfer (SOLOALBUM, BAAL) als deutscher Punk namens Dieter kratzt zu Beginn mit blutenden Augen ab.   

· „Schlampig geschrieben, große Schwächen in der Story. Horror-Fans werden den Webthriller trotzdem ansurfen: Mit seinem Grusel-Look und der megamorbiden Atmosphäre wirkt "FearDotCom" wie ein verfilmter Albtraum.“ (RÜDIGER RAPKE; TV MOVIE) 

· „Die cheap thrills, jene relativ umstandslos durch jähe Schnitt- und Musikeffekte herstellbaren Schocks, die einem gleichwohl durch Mark und Bein gehen, haben jederzeit Konjunktur. In die lustvolle Scham, ihnen so widerstandslos auf den Leim gegangen zu sein, mischt sich freilich regelmäßig ein Gran Enttäuschung: Regisseure und Autoren bieten uns nur noch Sprints, wo wir doch eigentlich einen Langstreckenlauf der Furcht erwartet hätten.“ (GERHARD MIDDING; FRANKFURTER RUNDSCHAU) 

  • „Schöne Perlen vergeudet für einen Sauplot und dämlichste Dialoge. So kommt Natasha McElhone in den zweifelhaften Genuss, gleich ein dutzend Mal "Oh mein Gott" rufen zu müssen. Vielleicht hat sie ja dabei jedes Mal daran gedacht, was der Film mit ihrer Karriere anrichtet.“ (Norbert Raffelsiefen)

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