GB 1968 / O: „The Lost Continent“ / Prod.: Hammer Films; Seven Arts / Laufzeit: 82 Min. / FSK: k.A.
Regie & Produktion: Michael Carreras / Musik: Gerard Schürmann / Kamera: Paul Beeson / Buch: Michael Nash (=Michael Carreras) / LV: Dennis Wheatley / SFX: Robert A. Mattey
Darsteller: Eric Porter (Lansen), Hildegard Knef (Eva Peters), Suzanna Leigh (Unity), Tony Beckley (Tyler), Nigel Stock (Webster), Neil McCallum (Hemmings), Jimmy Hanley (Pat), Victor Maddern (Mate), Michael Ripper (Sea Lawyer) sowie Benito Carruthers, James Cossins, Dana Gillespie, Reg Lye, Norman Eshley, Donald Sumpter, Alf Joint, Charles Houston u.a.
Hilfe, Hilfe!!! Oje, Oje!!! Hildegard Knef in einem obskuren Monsterfilm-Konstrukt aus den Hammer-Studios!!! Ob es dafür rote Rosen regnen wird?
Kapitän Lansen (Eric Porter), ein übellauniger Stinker und nicht gerade ein Musterbeispiel für seine Berufsgattung, ist mit seinem schrottreifen Frachter, der „Caritas“, auf dem Weg von Afrika nach Südamerika. Sowohl seine Fracht als auch die Passagiere sind äußerst dubios: An Bord befinden sich u.a. die aus Deutschland ausgewiesene Eva Peters (Gedächtnispunkt für Hildchen), der Alkoholiker Tyler (Tony Beckley), der zwielichte Arzt Webster (Nigel Stock) und seine Tochter Unity (Suzanna Leigh). Und im Frachtraum lagern Dutzende Fässer mit einer chemischen Lösung, die in Verbindung mit Wasser (!) ganz schön in die Luft geht. Eine Sturmwarnung ignoriert Lansen eiskalt, woraufhin ein Teil der Besatzung meutert. Der Rest der an Bord Gebliebenen kämpft sich tapfer durch’s heftige Unwetter, doch das ist nichts im Gegensatz zu dem, was dann folgt: Riesige, menschenfressende Meeres-Monster greifen an, die Bestien, die vor Caracas lauern. Und als ob das noch nicht genug ist, mischt auch noch ein fanatischer Religions-Kult vom „letzten Kontinent“ mit... Quietschbunt-vergnügter, durchaus unterhaltsamer Monster-Quickie mit einem schrägen Streifzug durchs phantastische Genre und reichlich Anleihen bei Film und Literatur. Hammer-Pionier Michael Carreras, der den Spaß inszenierte, produzierte und (unter Pseudonym) schrieb, spart nicht mit abstrakten Ungeheuer-Ungeheuerlichkeiten: Fleischfressende Schling-Pflanzen, Monster-Kraken, Killer-Algen, Quaddel-Quallen, riesige Krebs-Kreaturen und anderes wurmartiges, kriechendes Getier... Es gibt Momente, die ganz stimmig sind, wie etwa die Szenen während des Unwetters und der von Tod und Verfall gekennzeichnete Schiffsfriedhof. Aber insgesamt regiert die unfreiwillige Komik. Weniger wegen der haarsträubenden Logik, sondern viel mehr durch die reichlich albernen und billigen Monster-Kreationen, die Carreras’ wüstes Grusel-AbenteueraufTrash-Niveau sinken lassen.
Dennis Wheatley lieferte mit seinem Roman „Uncharted Seas“ (1938) die literarische Vorlage; an den kruden Monstermasken bastelte Robert A. Mattey (DER WEISSE HAI) mit herum.
Michael Carreras inszenierte auch den Bandagen-GruselDIR RACHE DES PHARAO (1964) und DAS GRAB DER BLUTIGEN MUMIE (1971)
„... unausgegorene Mischung aus trivialer Beziehungs-Problematik und recht simpler Spannungsdramaturgie.“ (HÖLLE AUF ERDEN)
„Leider läßt der Streifen aber die Sorgfalt, die man bei anderen aus seiner Produktionsherkunft verzeichnet, vermissen.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
GB 1961 / O: „Captain Clegg“ / AT: „Dr. Syn“; „Night Creatures“ / Prod.: Hammer Films für Universal Pictures / Länge: 78 Min. / FSK: ab 16
Regie: Peter Graham Scott / Musik: Don Banks / Kamera: Arthur Grant / Prod.: John Temple-Smith / Buch: John Elder (= Anthony Hinds) / LV: Russell Thorndike
Darsteller: Peter Cushing (Blyss), Patrick Allen (Captain Collier), Yvonne Romain (Imogene), Oliver Reed (Harry), Michael Ripper (Mipps), Martin Benson (Rash), Sydney Bromley (Old Tom Ketch) sowie Jack MacGowran, David Lodge, Derek Francis, Terry Scully, Milton Reid, Daphne Anderson, Rupert Osborn, Bob Head, Colin Douglas u.a.
Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen in dieser Hammer-Produktion, die als Erste Teil einer losen Piratenfilm-Trilogie 1961 in England entstand. Einerseits wollte man den Erfolg, den die ersten DRACULA- und FRANKENSTEIN-Filme brachten, weiterhin auskosten, andernfalls versuchte man auch andere Pfade des phantastischen Genres zu betreten. Peter Graham Scotts (MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE) einzige Auftragsarbeit für Hammer erzählt die Geschichte des Captain Collier (Patrick Allen, ALIEN INVASION), der 1792 mit seinen Soldaten in einem verschlafenen Küstenort landet, um eine Bande von Alkoholschmugglern dingfest zu machen. Collier stößt auf eine verschwiegene Dorfgemeinschaft, welche sich vor skelletartigen Moorgespenstern, die mit ihren Geisterpferden unschuldige Wanderer in die gefährlichen Sümpfe treiben, fürchtet. Er glaubt jedoch, daß eine dreiste Schmugglerbande diese Spukgeschichte inszeniert, um so von ihren illegalen Geschäften abzulenken. Der engagierte Pfarrer Blyss (diesmal als Guter: Peter Cushing, FRANKENSTEIN SUCHT EIN NEUES OPFER; DIE BRENNENDEN AUGEN VON SCHLOSS BARTIMORE) scheint dabei der Kopf der Bande zu sein.
Die besten Momente hat Scotts harmloses Grusel-Antiquariat dann, wenn er seine reitenden Moorgespenster (DIE NACHT DER REITENDEN LEICHEN läßt grüßen) in tiefer Finsternis, umgeben von wabernden Nebel-Schwaden, auf unschuldige Waldspaziergänger hetzt. Ansonsten treten die phantastischen Elemente eher in den Hintergrund, auch in Bezug auf die vorhersehbare Auflösung. Neben Peter Cushing erfreut man sich am Wiedersehen mit weiteren Hammer-Veteranen, wie z.B. Yvonne Romain und Oliver Reed aus DER FLUCH VON SINIESTRO sowie Michael Ripper (DAS SCHWARZE REPTIL). Auch dabei: Jack MacGowran (TANZ DER VAMPIRE), Sydney Bromley (DAS GRAUEN AUF SCHLOSS WITLEY) und Martin Benson (DAS OMEN).
Die Welt ist ein Dorf: Peter Cushing, Patrick Allen und Sydney Bromley sah man alle in Terence Fisher’s Invasionsfilm BRENNENDER TOD wieder zusammen.
Mit PIRATEN AM TODESFLUSS (1962) und DIE TEUFELSPIRATEN (1964) versuchten sich die Hammer-Leute weiter in diesem Subgenre, allerdings mit durchwachsenem Erfolg…
„So ist es kein Wunder, daß diese unbeteiligt inszenierte Melange aus Abenteuer- und Horrormotiven kaum mehr als den üblichen (seichten) Hokuspokus an Gruselelementen bietet.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)