Verhütet und hütet Euch
Soviel Kritik wie Papa Ratzi in den letzten Wochen einstecken musste, hielt der alte Mann einfach nicht aus und zischte mal eben ab nach Afrika. Und wurde auch dort wieder kritisiert. Also, für einen, der als unfehlbar gilt, müsste doch soviel Kritik auf einmal, bei klarem Menschenverstand, zur Selbstkritik führen. Doch was so ein Papst ist, der darf an seinem Irrglauben festhalten. Da glaubt er ganz fest daran. Zum Thema Hunger fiel ihm gar nichts ein (vielleicht, weil er selbst keinen hatte), stattdessen warnte er, die Menschen sollen nicht dem Irrglauben des Materialismus verfallen. Und das in Mosambik und Simbabwe wohlgemerkt.
Seine kategorische Ablehnung gegen das Kondom ist nicht neu, aber es lohnt immer wieder, sich darüber aufzuregen. Alles andere wäre Resignation. Der alte Mann hält also nichts von der Verteilung von Kondomen im Kampf gegen Aids, im Gegenteil: Es verschlimmere das Problem nur. Da soll er sich mal nicht so sicher sein, denn im Gegensatz zu ihm wissen die Afrikaner bestimmt mit einem Kondom umzugehen. Nun, vielleicht ist die Nichtverteilung von Kondomen im Kampf gegen Aids ja auch so etwas wie eine Lösung. Eine Endlösung.
Die Verteilung von Kondomen verschlimmert Aids: Da werden sich die HIV-Viren alle einzeln bedanken: Danke, lieber Papst, dass Du uns ermöglichst. Andere, viele andere sogar, fühlen sich bei solchen Äußerungen bestätigt. Zum Beispiel Frau Fürzin Gloria von Thunfisch und Taxis, die ja gerne mal leicht beschwipst in Talkshows über die schnackselnden Neger palavert. Da hat der Papst seine Worte direkt aus ihrem Mund genommen oder umgekehrt. Die beiden mögen es anscheinend oral. Na ein Glück, dass ich mir meine Worte noch selber aussuchen kann.
Einen Fürsprecher findet er auch in Franz Josef Wagner, dem betriebsirren Briefeschreiber von der Bild-Zeitung. Mit all seiner Nächstenliebe nimmt er den alten Mann in Schutz: Mann Gottes, Sie stehen in der öffentlichen Debatte auf verlorenem Posten. Dabei sagen Sie nur die Wahrheit. Nicht das Kondom rettet Afrika, sondern Liebe. Ein Vergewaltiger, der sich ein Kondom über den Kopf zieht, ist kein besserer Mensch. Das heißt: mit Liebe vergewaltigen. Und ohne Kondom. Für den FJ Wagner denkt der Papst in einer höheren Ebene, der Kampf gegen Aids sei nur mit Liebe zu besiegen. Ja, selig grinst das Christenvolk. Unter ihnen befanden sich schon immer die engagiertesten Gutmenschen.
Und nicht nur Liebe, sondern generell sexuelle Enthaltsamkeit hält der Papst für ein geeignetes Mittel im Kampf gegen Aids. Das kann man doch wenigstens erwarten von den Afrikanern, wenn sich schon all die anderen rammelnden Schäfchen nicht daran halten. Franz Josef Wagner einmal ausgenommen. Der Papst predigt (mal wieder) sexuelle Enthaltsamkeit, das ist auch nicht neu, aber immer wieder belustigend: Wie kann man nur immer von sich selbst ausgehen. Er glaubt bestimmt heute noch daran, dass sich beim wichsen das Rückenmark verflüssigt.
Aber Sex außerhalb strenger Reglementierungen ist nun mal nicht vorgesehen und wer sich nicht an Gottes Spielregeln hält, der bekommt schon noch seine gerechte Strafe. Da wäre Aids für Afrika als Quittung nur gerecht, während die sündigen Bars und verruchten Abtreibungskliniken in New Orleans von einem Hurrikan hinweg gefegt werden und flüchtende Sex-Touristen in Thailand in einer Tsunami-Welle ersaufen.

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Aktualisiert (Freitag, den 27. März 2009 um 18:12 Uhr)

















