Phrasendrescher III
Wieder fanden die BILD-Speichellecker anerkennende Worte für die drollig-schrullige Unions-Trulla Angela Merkel, als sie sich auf der Bundespressekonferenz mutig den kritischen Fragen der anwesenden Journalisten-Meute stellte und die Einigkeit, das Recht und die Freiheit innerhalb der großen Kloalition heraufbeschwor. Angesprochen auf Kochs Wahlkampfstil drehte sie mit der Feststellung, dass der hessische Dampfdackel das Thema Jugendgewalt nicht so einfach aus dem Hut gezaubert habe, die Augen nach oben: "Seit 2003 hat die CDU das Thema auf die Tagesordnung gesetzt." Wie man sieht: mit durchschlagendem Erfolg: Angela Merkel dreht die Augen nach oben und die Jugend dreht durch. Klasse, Frau Kanzlerin! Mit der abstrusen Rechtfertigung "Im Wahlkampf dürfe es keine Tabuthemen geben" stellte sie sich mal wieder (oder immer noch) vor Galgenschwengel Rolli Koch und wenn sie da so stehen, sollte man sie gleich in eine Ecke stellen, wo sie denn alt, grau und wirr werden sollen. Viel fehlt ihnen nicht dazu. Dann blubberte sie noch, dass "die Politik Themen aufgreifen muss, die die Menschen bewegen". Ach Gottchen, das wäre ja mal ganz was neues. Und dafür bekam die Worthülsen-Akrobatin aus der Uckermark von dem von ihr gewählten Bundespräsidenten "für ihre herausragenden Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland" den Verdienstorden verliehen. Den hätte sie sich auch selbst an die Titte hängen können.
Im übrigen dürfte auch Dickie-Dirty Kai Diekmann und seine debile BILD-Hetzbrigade froh über den schrecklichen Vorfall in der Münchner U-Bahn gewesen sein: in Hinblick auf die sinkende Auflagenzahl traten sie gleich eine Serie über Ausländerkriminalität, Asylbetrug und ausländische Gewalttäter, die unser Rechtssystem mißbrauchen, los, wofür sie denn auch Lob und Anerkennung von ihrer verlotterten Stammtisch-Stammleserschaft bekamen: Bravo, BILD! Macht weiter so! Bleibt dran! Für die Unterstützung im CDU-Wahlkampf bedankte sich das unheimliche Merkel beim Neujahrsgipfel, wo die Axel Springer AG 400 Topf-Promis einlud, artig bei Tante Friede. Das gehört sich ja auch so.
Übrigens: Beim Neujahrsempfang der Axel Springer AG, wo all die Arschlöcher aus Politik, Wirtschaft und Medien-Meinungsmacherei zusammen kamen, ließ Vorstandschef Mathias Döpfner gleich eine Drohgebärde los: 2008 wird ein amerikanisches Jahr. Und frug sich, warum Berlin und Deutschland so antiamerikanisch wie nie sind. Soll er sich das ruhig fragen, diese Nappsülze. Ich selbst habe übrigens gar nichts gegen Amerika. Ein wunderschönes Land. Das Problem sind die Leute, die da leben. Liedermacher Wolf Biermann, der seinen Namen hat zur Berufung werden lassen (und das nicht erst, seit er in einem Anfall von Geistesverwirrtheit Saddam Hussein als neuen Adolf Hitler bezeichnete!) fand laut BILD-Schreiberling Michael Sauerbier die beste Erklärung: "Die Deutschen werden den Amerikanern nie verzeihen, dass sie ihnen dankbar sein müssen." Biermann und Sauerbier, das bedeutet: Hohle Phrasen aus noch hohleren Köpfen. Rückblickend war das gar nicht mal so schlimm, dass sie den Biermann damals aus der DDR ausgewiesen haben; sie werden sich schon was dabei gedacht haben.

| < Zurück | Weiter > |
|---|
Aktualisiert (Donnerstag, den 31. Januar 2008 um 00:31 Uhr)


















