Halloween (2007)
HALLOWEEN
Zu Halloween kommen jede Menge Spinner raus
USA 2007 / O: Halloween / AT: Rob Zombies Halloween / Prod.: Dimesnion Films, Nightfall Productions, Spectacle Entertainment Group, Trancas International Group / Laufzeit: 109 Min. (Kino) / FSK: ab 16 (?)
Regie + Buch: Rob Zombie / Musik: Tyler Bates (Halloween-Thema von John Carpenter) / Kamera: Phil Parmet / Schnitt: Glenn Graland / Ausf. Prod.: Harvey Weinstein, Bon Weinstein, Matthew Stein / Prod.: Malek Akkad, Andy Gould, Rob Zombie / Original-Drehbuch: John Carpenter, Debra Hill / Make-Up-Effekte: Wayne Toth
Darsteller: Malcolm McDowell (Dr. Samuel Loomis), Scout Taylor-Compton (Laurie Strode), Tyler Mane (Michael Myers), Daeg Faerch (Michael Myers, 10 Jahre), Sherie Moon Zombie (Deborah Myers), William Forsythe (Ronnie White), Brad Dourif (Sheriff Lee Brackett), Danielle Harris (Annie Brackett), Dee Wallace (Cynthia Strode), Danny Trejo (Ismael Cruz), Tom Towles (Larry Redgrave), Bill Moseley (Zach Z-Man Garrett), Richard Lynch (Chambers), Udo Kier (Morgan Walker), Clint Howard (Dr. Koplenson), Ken Foree (Big Joe Grizzley), Sid Haig (Chester Chesterfield), Leslie Easterbrook (Patty Frost), Sybil Danning (Krankenschwester Wynn), Daniel Roebuck (Lou Martini), Richmond Arquette (Deputy Charles), Pat Skipper (Mason Strode), Hanna Hall (Judith Myers), Lee Temple (Noel Kluggs), Adam Weisman (Steve), Ezra Buzzington (Grant Clark) sowie Steve Boyles, Kristina Klebe, Max Van Ville, Nick Mennell, Daryl Sabara, Paul Kampf, Skyler Gisondo, Jenny Gregg Stewart, Micky Dolenz, Mel Fair u.a.
Es musste ja so kommen: nachdem man nun fast alle wichtigen Horrorklassiker der 70er Jahre mit einem Remake bedacht hatte (THE HILLS HAVE EYES; TEXAS CHAINSAW MASSACRE; DAWN OF THE DEAD; DAS OMEN etc.), nahm man sich nun die Mutter aller Slasherfilme vor: John Carpenters Meisterwerk HALLOWEEN. Nach insgesamt 7 Fortsetzungen, die bis 2002 entstanden, war wohl eine Neuverfilmung unvermeidlich
Und doch findet dieses Vorhaben diesmal seine Berechtigung, da es sich bei Rob Zombie, der mit seinem Filmdebüt DAS HAUS DER 1000 LEICHEN und der anschließenden Fortsetzung THE DEVILS REJECTS auf seine Weise dem Terror- und Horrorkino der 70er Jahre Tribut zollte, in guten Händen befindet. Auch seine dritte Regiearbeit ist wieder ein völlig anderer, eigenständiger Film und doch blieb Zombie sich selbst und seinem Stil treu. Sieht man einmal davon ab, das auch hier Nachdrehs beordert wurden, da der Film den raffgierigen Weinstein-Brüdern nach eher verhaltenen Testvorführungen nicht schnell, blutig und schockierend genug ausfiel. So wird auch dieses Remake wohl wieder die Lager spalten, was praktisch unvermeidlich ist: da sind auf der einen Seite die Hardcore-Fans, die das original kultisch verehren, und auf der anderen die Jugend von heute, die den neumodischen Stil (Schneller! Blutiger! Reißerischer!) bevorzugen. Ich selbst stehe mal wieder zwischen den Reihen.
Was man Rob Zombie anrechnen kann, ist, daß er eben nicht eine bloße 1:1-Kopie eines legendären Originals drehen wollte, sondern ganz anders an die Sache heranging. Die Neuinterpretation eines bekannten und bewährten Stoffes ist es doch, was den Reiz und auch den Sinn eines Remakes ausmacht und eben nicht die rein kommerzielle Ausbeutung, wie man es auch diesem Film wieder zum Vorwurf machen wird. Das schreiben dann die, die sonst nicht wissen, was sie schreiben sollen.
Kaum hats angefangen und schon muss uns Rob Zombie zeigen, wo wir uns hier befinden: in einem Film von Rob Zombie. In welcher Häufigkeit uns bereits in den ersten 5 Minuten das berühmte F-Wort, das hier geradezu inflationär gebraucht wird, um die Ohren fliegt, ist schon rekordverdächtig, auch sonst knausert Zombie nicht gerade mit diversen Fäkalausdrücken und Hassworttiraden. Im Prinzip: das ganz normale Wortvokabular nachmittäglicher Talkshows. Ein völlig kaputtes Elternhaus und die Demütigungen seiner Klassenkameraden haben Michael Myers zum Killer werden lassen. Mit dem Töten kleiner Tiere fängt es an, mit dem Töten von Menschen geht es weiter und hört nie auf. Motive für das Töten finden sich immer, wobei der Tötungsakt selbst natürlich viel interessanter ist, wie eben die zahlreichen HALLOWEEN- und FREITAG, DER 13.-Epigonen beweisen.
Rob Zombie wollte Michael Myers ein Motiv geben, doch bleibt er aber gerade in dieser Hinsicht zu aufgesetzt und zu reißerisch. Zumal die aktuelle Situation, in der auf einmal völlig kaputte, degenerierte Elternhäuser in unser bürgerlichen Mitte (wo die Union regiert und es den Menschen laut unserer großen Volkskanzlerin so gut geht) auftauchten, einmal mehr zeigt, das die Realität viel, viel schrecklicher und grausamer ist. Im direkten Vergleich unterliegt Rob Zombie John Carpenter, der auch ohne ausschlagenden Gewaltpegel sehr viel mehr erreichte. Allein die suggestive, eindringliche Schockwirkung des Anfangs seines HALLOWEEN-Originals bleibt unerreicht: da hatte der kleine Michael Myers eben kein Motiv, da war das Elternhaus in Ordnung gewesen, keiner wusste warum und weshalb er das tat, was er tat. Das ist (auch heute noch!) ungleich überzeugender als jeder Erklärungsversuch und gerade daraus bezog der Carpenter-Klassiker seinen Horror: jegliches Motiv blieb im Verborgenen. Da wusste der Zuschauer nicht einmal, daß es ein kleiner, sechsjähriger Junge war, der den Mord an seiner Schwester ausführte bis die Kamera zurückfuhr
Was bleibt ist ein höchst unterhaltsamer, durchaus fesselnder und streckenweise brillant inszenierter Leinwandschocker, der auch in der 2. Hälfte, die mit Myers Ankunft in Haddonfield auf den üblichen Slasher-Pfaden herumtrampelt, nicht nachlässt. Das Original indes bleibt trotzdem unerreicht, was Zombie schon beim Drehen klar gewesen sein dürfte.
Rein schauspielerisch gibt es hier nichts auszusetzen, lediglich die blasse Scout Taylor-Compton fühlt sich der Jamie-Lee-Curtis-Rolle nicht ganz gewachsen. Malcolm McDowell ist als Psychiater Dr. Loomis absolut brillant, also lasst euch von denen, die ihn ausschließlich an den großartigen Donald Pleasence messen, nix anderes einreden, denn McDowell besteht diese schwierige Hürde mit Bravour. Eine echte Offenbarung und Bereicherung ist Jungdarsteller Daeg Faerch als Michael Myers, der Junge, dessen Leben vollends aus den Fugen gerät: man sieht und spürt es förmlich, wie es in ihm brodelt. Wahnsinn! Auch die übrigen Darsteller (einige kennt man ja bereits aus Zombies vorherigen Filmen) wissen zu gefallen. So wird Michael Myers Mutter (die den schwierigen Haushalt managen muss und nebenbei im Striplokal arbeitet) zur tragischen Figur, was durch die einfühlsame Darstellung von Regisseurs-Gattin Sheri Moon Zombie untermauert wird, zumal man später im Film (so nebenbei) erfährt, das sie Selbstmord beging. William Forsythe zeigt sich in der Rolle des gehassten, ekligen Stiefvaters, einem arbeitslosen Säufer, als komplettes Arschloch (und zwar als waschbeckengroßes): total übertrieben und überzeichnet, dennoch (oder gerade deshalb) fand ich ihn hier so sehenswert. Für weitere Aha-Erlebnisse sorgen die vielen kleinen und kleineren Begegnungen mit allerlei Genre-Prominenz: zahlreiche bekannte Gesichter, die einem über die vielen Jahre so vertraut sind und von Zombie fürs Kino reaktiviert wurden. So glänzt der immer wieder gern gesehene Brad Dourif als Sheriff Brackett, Danielle Harris als dessen Tochter, Dee Wallace als Lauries Adoptivmutter, Danny Trejo, Tom Towles und Bill Moseley als Knastwärter, Udo Kier und Clint Howard als Ärzte, Sid Haig als Friedhofsverwalter, Ken Foree als Truckerfahrer, Sybill Danning als Krankenschwester und Richard Lynch als Schuldirektor. Allein diese phänomenale Besetzung macht den Film sehenswert.
- Trotz der vorhersehbaren Handlung bietet Zombies dritter Kinofilm phasenweise eine gehörige Portion Spannung. Dafür sorgen allein schon die unheilvollen Pianoklänge des legendären Titelthemas. (Phillipp Schulze, CINEMA 11/07)
- Die zweite Hälfte des Films, in der es eigentlich so richtig abgehen soll, ist einfach nur uninspiriert und öde. Vielleicht liegt es auch an mir. Vielleicht habe ich nach 40 Jahren Horrorfilmkonsum einfach keinen Bock mehr, immer wieder den gleichen Film vorgesetzt zu bekommen (Jörg Buttgereit, 06/2007)
- Was Zombies Film von den Vorgängern unterscheidet, ist die Tatsache, daß er sich sehr viel Zeit nimmt, den jungen Michael Myers zu zeigen. Er schildert detailliert, wie ein Psychopath geboren wird. Diese White-Trash-Familie ist zwar etwas dick aufgetragen, aber dieser Teil des Films hat interessante Ansätze, die Figur Michael Myers neu zu definieren. Während die zweite Hälfte des Films auf die alte Formel des ultimativ Bösen auf zwei Beinen umschwenkt, hat man hier noch häufig das Gefühl, einen ernsthaften Film vor sich zu haben. (Peter Osteried, MOVIESTAR 06/2007)
- Zu keiner Zeit ist Zombie in der Lage, dem Film Spannung oder eine bedrohliche Atmosphäre zu verleihen. Michael mordet praktisch mit Ansage. Er läuft ins Bild, tötet und verschwindet wieder. ( ) Das, was die Klasse des Originals ausgemacht hat, Spannung und Bedrohung, lässt der Film gänzlich vermissen. ( ) Rob Zombie macht auch in seinem dritten Film das, was er bisher gemacht hat: er zitiert. Standen ihm dabei bisher eine ganze Reihe von Slasher- bzw. Road-Movies zur Verfügung, musste er sich diesmal auf nur eine Vorlage beschränken. Doch anstatt sich zu lösen und eine eigene Interpretation anzustreben, liefert er lediglich eine dilettantisch inszenierte Version des Originals ab. (Marcus Menold, VIRUS #19)

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Aktualisiert (Montag, den 24. Dezember 2007 um 15:31 Uhr)



















